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Atheismus – in neuer Gestalt?

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Wolfgang Klausnitzer and Bernd Elmar Koziel

Während in der letzten Zeit viel von der «Wiederkehr der Religion(en)» die Rede war, sieht sich die Öffentlichkeit in westlichen Ländern zugleich mit einem unvermuteten Wiedererstarken eines eigentlichen Atheismus konfrontiert. Unter der seit 2006 verbreiteten Bezeichnung «Neuer Atheismus» melden sich Protagonisten oft lautstark und bekenntnishaft zu Wort: mit Berufung auf das aktuelle wissenschaftliche Weltbild behaupten sie die Unterlegenheit und Unhaltbarkeit jeder Orientierung, die im Sinne des Christentums und anderer Weltreligionen mit einer transzendenten Wirklichkeit rechnet. Stattdessen propagieren sie eine vollständig «naturalistische» Weltsicht. Eine angemessene Auseinandersetzung hat die heute vorgebrachten Argumente zu erwägen, sie aber auch in den Kontext der Religionskritik früherer Jahrhunderte zu stellen: Sie wird für ihren Teil das Gespräch anbieten, aber auch christlich Position beziehen.

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3. Philosophische und wissenschaftliche Versatzstücke (der letzten drei Jahrhunderte) zur Begründung eines „Neuen Atheismus“

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146 3. Philosophische und wissenschaftliche Ver- satzstücke (der letzten drei Jahrhunderte) zur Begründung eines „Neuen Atheismus“ Autoren des „Neuen Atheismus“ bewegen sich in der einen oder anderen Wei- se im Kontext des sogenannten aufgeklärten Denkens, das im Westen zu einem Identitätsmerkmal der Neuzeit geworden ist. Dessen grundsätzliche Beanspru- chung gehört mithin zum guten Ton akademisch-wissenschaftlich geprägter Milieus, wenngleich die Grenzen dessen, was als aufgeklärt gelten kann, unter- schiedlich bewertet werden. In diesem Sinn entscheidet – wie wir noch deutli- cher sehen werden – schon immer die Frage, wie weit1 gleichsam die Auf- klärung vorangetrieben werden muss, über die Legitimität von Religion auch unter aufgeklärt-neuzeitlichen Vorzeichen. Die „Neuen Atheisten“ können bei ihren Argumentationen demnach zurück- greifen auf Einsichten und Modelle aus der neuzeitlichen Reflexionsgeschichte, die diese Legitimitätsfrage – oder eben die Frage nach dem rechten Maß der Aufklärung in religiösen Dingen – für sich auf unterschiedliche Weise beant- wortet haben. Dabei kann heute, aus der Distanz des Rückblicks und Über- blicks, gegebenenfalls kombiniert und rekombiniert werden, auch was früher nicht genau so zusammenkam. Wir skizzieren im Folgenden Positionen, die zur Fundgrube heutiger Argumentationen werden: einen virtuellen „klassischen Atheismus“, den Kritizismus und in diesem Zusammenhang auch den Logischen Positivismus sowie schließlich die Funktionalistische Religionskritik. Sie sind vielfach verflochten mit dem Standpunkt des gegenwärtigen Naturalismus, in den die gegenwärtigen Äußerungen der „Neuen Atheisten“ und ihres weiteren Umfelds münden. Unser Augenmerk soll dabei auf...

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