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Atheismus – in neuer Gestalt?

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Wolfgang Klausnitzer and Bernd Elmar Koziel

Während in der letzten Zeit viel von der «Wiederkehr der Religion(en)» die Rede war, sieht sich die Öffentlichkeit in westlichen Ländern zugleich mit einem unvermuteten Wiedererstarken eines eigentlichen Atheismus konfrontiert. Unter der seit 2006 verbreiteten Bezeichnung «Neuer Atheismus» melden sich Protagonisten oft lautstark und bekenntnishaft zu Wort: mit Berufung auf das aktuelle wissenschaftliche Weltbild behaupten sie die Unterlegenheit und Unhaltbarkeit jeder Orientierung, die im Sinne des Christentums und anderer Weltreligionen mit einer transzendenten Wirklichkeit rechnet. Stattdessen propagieren sie eine vollständig «naturalistische» Weltsicht. Eine angemessene Auseinandersetzung hat die heute vorgebrachten Argumente zu erwägen, sie aber auch in den Kontext der Religionskritik früherer Jahrhunderte zu stellen: Sie wird für ihren Teil das Gespräch anbieten, aber auch christlich Position beziehen.

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4. Naturalismus

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Naturalismus Die Vorgeschichte des neuzeitlichen Atheismus ist durch verschiedene Ansätze geprägt, die auch noch nach seiner systematischen Formulierung im 19. Jahr- hundert1 als erkennbare systematische Argumentationen fortbestehen. Zuwei- len unterscheidet man drei Typen2. • Ein „materialistisch-weltanschaulicher Typ“, dem etwa die materialistischen Vertreter der französischen Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- hunderts zugerechnet werden können, vertritt die Auffassung, dass die Got- tesidee verschwinden werde, wenn die Natur mit Hilfe der fortgeschrittenen (Natur-)Wissenschaften lückenlos und adäquat erklärt werden könne bzw. erklärt werde. In Deutschland wird diese Meinung im 19. Jahrhundert von den Vertretern des von Marx so titulierten „Vulgärmaterialismus“ (Büchner, Moleschott, Vogt) proklamiert. Ein Darwinismus als Weltanschauung, wie er sich z.B. bei Ernst Haeckel, Julian Sorell Huxley oder Jacques Lucien Monod findet, liegt ebenfalls auf dieser Linie. Der von Friedrich Engels (mit Zustim- mung von Karl Marx) entwickelte „Dialektische Materialismus“ erklärt die Welt ohne die Annahme einer göttlichen Schöpfung. Im 20. und 21. Jahr- hundert begegnet eine derartige Argumentation bei Dawkins, Boyer und Dennett. • Ein „rationalistisch-empiristischer Typ“ erscheint in der englischen Aufklä- rung. Die Intention ist nicht eine „rationalistische“ Erklärung der Weltwirk- lichkeit (ohne das Eingreifen eines Schöpfergottes), sondern die Analyse der Erkenntnisweise des menschlichen denkenden Individuums bzw. Subjekts. David Hume führt diese Erkenntnisweise „empiristisch“ zurück auf das posi- tiv Gegebene, das in der sinnlichen Wahrnehmung zutage tritt bzw. in ihr grundlegend vorliegt. Ähnlich entwickelt im 19. Jahrhundert Auguste...

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