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Atheismus – in neuer Gestalt?

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Wolfgang Klausnitzer and Bernd Elmar Koziel

Während in der letzten Zeit viel von der «Wiederkehr der Religion(en)» die Rede war, sieht sich die Öffentlichkeit in westlichen Ländern zugleich mit einem unvermuteten Wiedererstarken eines eigentlichen Atheismus konfrontiert. Unter der seit 2006 verbreiteten Bezeichnung «Neuer Atheismus» melden sich Protagonisten oft lautstark und bekenntnishaft zu Wort: mit Berufung auf das aktuelle wissenschaftliche Weltbild behaupten sie die Unterlegenheit und Unhaltbarkeit jeder Orientierung, die im Sinne des Christentums und anderer Weltreligionen mit einer transzendenten Wirklichkeit rechnet. Stattdessen propagieren sie eine vollständig «naturalistische» Weltsicht. Eine angemessene Auseinandersetzung hat die heute vorgebrachten Argumente zu erwägen, sie aber auch in den Kontext der Religionskritik früherer Jahrhunderte zu stellen: Sie wird für ihren Teil das Gespräch anbieten, aber auch christlich Position beziehen.

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6. Christliche Antworten

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6.1. Diagnose und Prognose Fragen wir noch ein Stück grundsätzlicher: Wie lässt sich aus christlicher Per- spektive dem Atheismus, dem neuen Atheismus zumal, begegnen? Ein erster Schritt besteht in einer näheren Klärung der Frage, mit wem man es jeweils zu tun hat und welche Perspektiven sich demnach für die Zukunft eröffnen. Der neue Atheismus wurde oben in mehrfacher Weise als Teil eines breiteren Phä- nomens identifiziert. So war das (quasi) namensgebende Kollektiv von vier Au- toren erstens zu lokalisieren innerhalb der größeren Richtung eines offensiv- öffentlichen Non- oder Anti-Theismus, deren Entstehen spätestens seit Mitte der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts offenbar an der Zeit war. Sie kommt zumindest in einem in entsprechender Weise1 propagierten naturalistischen Weltbild überein (die „Brights“), das sich freilich gegebenenfalls gegen die Eti- kettierung als Atheismus verwahren mag2, oder schließt unumwunden an jene Art erklärt atheistischer Tendenzen an, die schon seit längerem gesellschafts- politische Relevanz und Öffentlichkeitswirksamkeit anstreben (verschiedene „humanistische“ Vereinigungen und ihre Ableger). Dabei machen beide For- men aus christlicher Warte letztlich insofern keinen Unterschied, als der Begriff des Naturalismus – gerade auch in der selbst geltend gemachten Verwendung3 1 Vgl. etwa die einschlägige Bemerkung aus der „Vision“ der „Brights“ (www.brights- deutschland.de/vision.shtml [18. Oktober 2011]): „… ist es wichtig, dass jeder, dessen Weltbild naturalistisch ist, auch öffentlich dazu steht. Die Idee hinter den verschieden- sprachigen Brights-Internetauftritten ist es, die Bewegung sichtbar zu machen, uns ge- genseitig zu unterstützen, und zu einer Gemeinschaft zu...

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