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Vernunft auf Anordnung

Das Kindeswohl im Elternstreit bei Trennung und Scheidung- Pflichtberatung gemäß § 156 Abs. 1 S. 4 FamFG als Ausdruck von Elternverantwortung und Staatlichem Wächteramt gemäß Art. 6 Abs. 2 GG

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Clas-Steffen Feuchtinger

Inwieweit kann durch eine Pflichtberatung der Eltern im Falle von Trennung und Scheidung die Situation der betroffenen Kinder verbessert werden? Die Arbeit geht dieser Frage nach und bezieht hierbei sowohl die nationale als auch internationale Scheidungsforschung mit ein und betrachtet dabei auch die Beratungs- und Hilfsangebote für Familien in Trennung und Scheidung kritisch. Insbesondere wird die Entwicklung der (gerichtsnahen) Familienmediation sowie zahlreicher Modellprojekte in deutschen Gerichtsbezirken (z.B. «Cochemer Modell») untersucht. Hintergrund war die Einführung des FamFG im Jahr 2009, das in § 156 Abs.1 FamFG die Möglichkeit vorsieht Eltern zur Teilnahme an Beratungsangeboten zu verpflichten. Dies war vor dem Hintergrund des Art. 6 GG verfassungsrechtlich zu bewerten.

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Vorwort

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Die Trennungs- und Scheidungswirklichkeit spiegelt sich deutlich in den Schei- dungsziffern der letzten Jahrzehnte wider. Nicht selten sind Streitigkeiten um das Kind die Folge. Jedoch unterscheidet sich die Perspektive des Kindes auf die Scheidungssituation grundsätzlich von der seiner Eltern. Im Mittelpunkt der vorlie- genden Arbeit steht somit die Frage, inwieweit kann die Situation des Kindes be- sonders in hochemotionalen Auseinandersetzungen der Eltern verbessert werden. Es galt, die besondere Bedeutung des Kindeswohls als ein geschütztes Rechtsgut von Verfassungsrang herauszuarbeiten. Die Komplexität des Themas und der be- stehende Kontext zu anderen fachfremden Disziplinen machten eine interdiszipli- näre Herangehensweise erforderlich. Somit war der Begriff »Kindeswohl« aus ju- ristischer Sicht als auch aus der Sicht der Human- und Sozialwissenschaften zu un- tersuchen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Spannungsverhältnis von Elternprimat und der subsidiären Verantwortung der staatlichen Gemeinschaft gewidmet. Beiden kommt die Aufgabe zu, über das Kindeswohl zu wachen. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob Eltern zu einer Teilnahme an Hilfs- und Beratungsangeboten verpflichtet werden können. Inwieweit eine solche Pflichtberatung vor dem Hinter- grund der gegenwärtigen Rechtslage möglich ist, ist Gegenstand dieser Arbeit. Sie entstand parallel zu den Gesetzgebungsverfahren des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main hat die vorliegende Arbeit im Sommersemester 2012 als Dissertation angenommen. Mein besonderer Dank gilt Frau Professorin Dr. Marina Wellenhofer für die konstruktive Betreuung und die vielfältigen Anregungen bei der...

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