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Vernunft auf Anordnung

Das Kindeswohl im Elternstreit bei Trennung und Scheidung- Pflichtberatung gemäß § 156 Abs. 1 S. 4 FamFG als Ausdruck von Elternverantwortung und Staatlichem Wächteramt gemäß Art. 6 Abs. 2 GG

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Clas-Steffen Feuchtinger

Inwieweit kann durch eine Pflichtberatung der Eltern im Falle von Trennung und Scheidung die Situation der betroffenen Kinder verbessert werden? Die Arbeit geht dieser Frage nach und bezieht hierbei sowohl die nationale als auch internationale Scheidungsforschung mit ein und betrachtet dabei auch die Beratungs- und Hilfsangebote für Familien in Trennung und Scheidung kritisch. Insbesondere wird die Entwicklung der (gerichtsnahen) Familienmediation sowie zahlreicher Modellprojekte in deutschen Gerichtsbezirken (z.B. «Cochemer Modell») untersucht. Hintergrund war die Einführung des FamFG im Jahr 2009, das in § 156 Abs.1 FamFG die Möglichkeit vorsieht Eltern zur Teilnahme an Beratungsangeboten zu verpflichten. Dies war vor dem Hintergrund des Art. 6 GG verfassungsrechtlich zu bewerten.

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II. Auszug aus der Studie von Fichtner (2007)

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Die Studie von Fichtner (2007) zur Evaluation des »Cochemer Modells ist als In- ternetdokument über die Internetpräsenz des Deutsches Jugendinstitut e. V. - Abtei- lung Familie/Familienpolitik (www.dji.de) verfügbar.1174 »Die Eigenangaben zu Evaluation bzw. Erfolgsquoten und die veröffentlichten Arbeiten hierzu [»Cochemer Modell«] divergieren stark: Es liegen lt. eigenen Angaben eine Rei- he von evaluativen Arbeiten vor, derzeit werden je eine juristische und eine psychologi- sche Dissertationsarbeit zur Arbeitsweise in Cochem erstellt. Eine Nutzerumfrage weise 95% zufriedene Eltern aus, 70% der Verfahren würden in der ersten Anhörung geregelt, lediglich in 1-2% der Regelung käme es zu Folgeverfahren. Auf der Internetsite des Ar- beitskreises werden zwei Diplomarbeiten der Fachhochschule Koblenz sowie der als „Studie“ bezeichnete Überblicksartikel von Füchsle-Voigt (2004), selbst Mitglied im Arbeitskreis, wiedergegeben. Von diesen ist nur die Arbeit von Gorges[1175] (o. Jg.) als empirische Studie zu werten, die allerdings aufgrund der geringen Stichprobe von N = 20 befragten Eltern nur begrenzt aussagefähig ist (die Rücklaufquote lag lt. Untersu- chung bei 24%; lt. angegebenen Daten lediglich bei 15%). Diese Ergebnisse dokumen- tieren allerdings weit geringere Raten an Zufriedenheit als die genannten 95%. So waren hiernach z.B. mehr als zwei Drittel der befragten Eltern gar nicht oder nur wenig zufrie- den mit der Beratung vor Gericht. Weiterhin wird mehrfach „Lengowski 2005“ zitiert (z.B. Gorges o. Jg., Moskopp 2006[1176]), wonach 98 % der Eltern eine einvernehmliche Lösung fänden. Die empirische Basis für dieses Ergebnis wird allerdings in keiner der Quellen genannt,...

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