Show Less

Porträts in italienischen Romanen des 19. Jahrhunderts

Dargestellt an Beispielen aus Alessandro Manzonis "I promessi sposi</I>, Ippolito Nievos "Confessioni d’un italiano</I> und Giovanni Vergas "Mastro-don Gesualdo</I>

Series:

Johanna Hellermann

Die Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes einer Romanfigur in italienischen Romanen des 19. Jahrhunderts dient nicht allein der Evozierung eines konkret umrissenen Bildes vor dem geistigen Auge des Rezipienten. Die formale und inhaltliche Auseinandersetzung mit ausgewählten Porträts aus den zwischen 1821 und 1889 entstandenen Romanen I promessi sposi, Confessioni d’un italiano und Mastro-don Gesualdo zeigt vielmehr, dass die Personenbeschreibung vielfältige Funktionen erfüllt: Sie verhilft unter anderem, die interne Hierarchie des Figurenpersonals abzubilden, und dient der Widerspiegelung individueller Wesenszüge, der Darstellung eines Reifeprozesses, der Spannungssteigerung sowie der kritischen Beurteilung seitens der Erzählinstanz. Ihr gebührt daher größtmögliche Aufmerksamkeit.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung

Extract

Seit jeher ist das sich im Laufe eines Lebens kontinuierlich verändernde äußere Erscheinungsbild eines Menschen Träger vielfältiger Informationen. Es ermög- licht einem lebenserfahrenen, um die vorherrschenden gesellschaftlichen Kon- ventionen wissenden Betrachter zumeist aussagekräftige Rückschlüsse auf un- terschiedlichste Empfindungen und Wesenszüge, den sozialen Status sowie die Lebensführung einer realen Person. So lassen sich etwa in dem redensartlich als Spiegel der Seele bezeichneten Gesicht, genauer gesagt in Falten auf der Stirn oder in der Umgebung der Au- gen, zusammengezogenen Augenbrauen, geschürzten oder zusammengepressten Lippen sowie der rosigen oder blassen Gesichtsfarbe eines Menschen, unter an- derem Aufgeschlossenheit, Introvertiertheit, Lebensfreude, Zufriedenheit, Unzu- friedenheit, Enttäuschung, Zorn oder Trauer ablesen. Ruhige oder zitternde Hände können auf Selbstsicherheit oder wenig Selbstvertrauen, gepflegte zarte oder geschundene Hände auf die Stellung innerhalb der Gesellschaft hindeuten. Gemäß der durch die gleichnamige Novelle des Schweizer Schriftstellers Gott- fried Keller Bekanntheit erlangten Redewendung „Kleider machen Leute“ gibt die individuelle Kleidung einer Person zudem oftmals verlässliche, bisweilen aber auch gezielt in die Irre führende Auskunft über ihren sozialen Status und ihre persönliche Einstellung zu materiellen Gütern. Ferner lässt die zierliche schmale oder kräftige stattliche Statur eines Menschen auf gesunde oder weniger gesunde Lebensführung schließen. Die aufrechte oder gekrümmte Körperhal- tung einer Person verweist schließlich sowohl auf Selbstwertgefühl oder Unsi- cherheit und Schüchternheit als auch auf Lebensumstände, wie schwere körper- liche Arbeit, und somit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.