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Porträts in italienischen Romanen des 19. Jahrhunderts

Dargestellt an Beispielen aus Alessandro Manzonis "I promessi sposi</I>, Ippolito Nievos "Confessioni d’un italiano</I> und Giovanni Vergas "Mastro-don Gesualdo</I>

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Johanna Hellermann

Die Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes einer Romanfigur in italienischen Romanen des 19. Jahrhunderts dient nicht allein der Evozierung eines konkret umrissenen Bildes vor dem geistigen Auge des Rezipienten. Die formale und inhaltliche Auseinandersetzung mit ausgewählten Porträts aus den zwischen 1821 und 1889 entstandenen Romanen I promessi sposi, Confessioni d’un italiano und Mastro-don Gesualdo zeigt vielmehr, dass die Personenbeschreibung vielfältige Funktionen erfüllt: Sie verhilft unter anderem, die interne Hierarchie des Figurenpersonals abzubilden, und dient der Widerspiegelung individueller Wesenszüge, der Darstellung eines Reifeprozesses, der Spannungssteigerung sowie der kritischen Beurteilung seitens der Erzählinstanz. Ihr gebührt daher größtmögliche Aufmerksamkeit.

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2. Das Porträt einer Romanfigur als bedeutender Bestandteil der Figurencharakterisierung

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Nahezu jeder Roman wird von einer Fülle fiktiver Figuren bevölkert, welche das Handlungsgeschehen in unterschiedlichem Ausmaß beherrschen und vorantrei- ben. Die sich über das gesamte literarische Werk erstreckende Charakterisierung dieser Romanfiguren erfolgt auf vielfältige Art und Weise. Um diese Vielfalt veranschaulichen zu können, sei Bezug auf das von Pfister für die literarische Gattung des Dramas erstellte Klassifizierungsschema2 genommen.3 In Analogie zu diesem Schema sind auch für die insbesondere im 19. Jahrhundert dominierende literarische Gattung des Romans die vier Klassen der explizit-figuralen, der implizit-figuralen, der explizit-auktorialen sowie der implizit-auktorialen Charakterisierungstechnik anzuführen. An der Kombination dieser vier Begriffe lässt sich bereits ablesen, dass jeweils zwei von ihnen ein auf inhaltlicher Opposition beruhendes Paar bilden. Die Begriffe figural und auktorial benennen die Charakterisierungsinstanz innerhalb eines Romans.4 So hat ein Schriftsteller die Wahl, charakterisierende Informationen entweder von einer der fiktiven Welt angehörenden Romanfigur oder aber von einer sich au- ßerhalb der geschilderten Welt befindenden Erzählinstanz verlauten zu lassen. Die Begriffe explizit und implizit kennzeichnen in einem Erzähltext dagegen zwei sich erheblich voneinander unterscheidende Arten der Informationsvergabe einer Charakterisierungsinstanz.5 Sowohl Pfister wie auch Bode stellen diese 2 Vgl. Manfred Pfister: Das Drama: Theorie und Analyse, München: Fink 81994, 250- 264. 3 Die prinzipielle Übertragbarkeit dieses Schemas auf die literarische Gattung des Ro- mans findet unter anderem Erwähnung bei Christoph Bode: Der Roman. Eine Einfüh- rung, Tübingen/Basel: Francke 2005, 135 ff. 4 Die beiden Begriffe figural und auktorial sind etwas unpr...

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