Show Less

Czesław Miłosz und Joseph Brodsky

Die Freundschaft zweier Dichter

Series:

Irena Grudzinska-Gross

Dieses Portrait der Freundschaft zwischen zwei Ikonen der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts, Czesław Miłosz und Joseph Brodsky, beleuchtet die Parallelen in den Leben der beiden Dichter und Literaturnobelpreisträger. Grudzińska-Gross greift auf Gedichte, Essays, Briefe, Interviews, Vorträge und eigene Erinnerungen als Vertraute der beiden Dichter zurück, die einen Teil ihres Lebens im amerikanischen Exil verbrachten. Das Doppelportrait der Dichter und die Erläuterung ihrer Einstellungen zu Religion, Geschichte, Erinnerung und Sprache werfen ein neues Licht auf die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich schildert die Autorin Miłoszs und Brodskys Beziehungen zu anderen literarischen Schlüsselfiguren wie W. H. Auden, Susan Sontag, Seamus Heaney, Mark Strand, Robert Hass, Derek Walcott.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Prolog: Brieflicher Beistand

Extract

Prolog Brieflicher Beistand Die Freundschaft, die die beiden Dichter Czesław Miłosz und Joseph Brodsky verband, war nicht dem Zufall zu verdanken. Anfang der 1970er Jahre, als Miłosz einen russischen Übersetzer für seine Gedichte suchte, schlug der Her- ausgeber der polnischen Emigrationszeitschrift „Kultura“2, Jerzy Giedroyc, ihm Brodsky vor. Und so gab Miłosz am 12. Juli 1972 einen Brief nach Ann Arbor, Michigan auf, wo der aus der Sowjetunion ausgewanderte russische Dichter soeben seine wissenschaftliche Karriere begann. „Lieber Brodskij!“, begann Miłosz3. „Ich habe Ihre Adresse vom Herausgeber der Pariser „Kultura“ bekommen. Im Moment werden Sie sicher noch gar nicht wieder an Arbeit denken können, da Sie sich mit so vielen neuen Eindrücken ver- traut machen müssen. Das ist eine Sache des inneren Rhythmus, der dem Rhyth- mus des Lebens, das Sie nun umgibt, noch entgegenläuft. So, wie die Dinge liegen, ist es aber – nicht nur vom praktischen Standpunkt aus gesehen – um einiges bes- ser, dass Sie nach Amerika gegangen und nicht in Westeuropa geblieben sind. Wahrscheinlich machen Sie sich große Sorgen – wie wir alle aus unserem Teil Eu- ropas, die wir mit denselben Mythen aufgewachsen sind –, dass das Leben eines Dichters mit dem Verlassen seines Geburtslandes vorbei sein könnte. Aber das ist eben ein Mythos, verbreitet in den Ländern, in denen die Zivilisation lange Zeit ei- ne ländliche war und der ‚heimatlichen Erde’ große Bedeutung beigemessen wur- de. Es hängt alles vom Menschen selbst und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.