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Gunther Ipsen in Leipzig

Die wissenschaftliche Biographie eines «Deutschen Soziologen» 1919-1933

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David Hamann

Diese Studie widmet sich der Aufarbeitung der «Deutschen Soziologie», die während der 1920er Jahre innerhalb völkisch-nationalistischer Kreise interdisziplinär entwickelt wurde. Der Zugang erfolgt über die biographische Annäherung an einen der Hauptakteure, den Leipziger Soziologen Gunther Ipsen. Sein Werdegang vom Frontkämpfer zum Vordenker der NS-Agrarsoziologie wird vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Weimarer Republik analysiert. Ipsens interdisziplinäre Theoriebildung diente der praktisch-politischen Zielsetzung eines autarken «Großdeutschlands»: Er stellte «ganzheitliche», deutsche Wissenschaft einer «zersetzenden», «westlichen» Empirie gegenüber und legte damit Grundlagen für spätere Pläne zur ethnischen «Neuordnung Europas».
Diese Arbeit wurde 2012 mit dem Förderpreis Agrargeschichte ausgezeichnet.

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Einführung

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Zum Forschungsstand Die Wirkungsgeschichte des NS-Bevölkerungssoziologen Gunther Carl Julius Ip- sen (1899-1984) ist seit Beginn der 1980er Jahre zunehmend Gegenstand der wis- senschaftlicher Forschung geworden. Dabei ging es vor allem um die Rolle der So- ziologie während des „Dritten Reiches“ und über mögliche Kontinuitäten in der frühen Bundesrepublik. Ab Ende der 1970er Jahre erschienen biographische und autobiographische Schriften der Zeitgenossen Ipsens, die ihn größtenteils als NS-Protagonisten cha- rakterisierten. Hier ist besonders René König (1906-1992) zu nennen, der aus dem „Dritten Reich“ in die Schweiz emigrierte und sich bereits in seiner Habilitations- schrift von 1938 vehement gegen die „historisch-existentialistische“ Soziologie der „Volkwerdung“ wandte.1 König sprach aller politischen Instrumentalisierung der Soziologie den wissenschaftlichen Rang ab und stellte 1958 die These auf, die Sozi- ologie sei „um 1933 brutal zum Stillstand“ gebracht worden2. Der Soziologe M. Rainer Lepsius schloss sich der These Königs an und stellte fest, „völkische Sozio- logie“ sei in ihrer Zentrierung auf die „Volksgemeinschaft“ als „Gegenprogramm zur soziologischen Analyse“ zu verstehen und daher keine Wissenschaft im eigent- lichen Sinn.3 König und Lepsius vertraten die Meinung, problematisch seien vor allem die personellen Kontinuitäten nach 1945 gewesen. Gegen die Äußerungen von König und Lepsius wandte sich unter anderem Helmut Schelsky (1912-1984), ehemaliger Leipziger Soziologe und Schüler Freyers und Ipsens, und schrieb Lepsius in 1981 einem offenen Brief4, dieser habe die „plu- ralistische Struktur“ der „Deutschen Soziologie“ und ihr Selbstverständnis als geis- tige und existentielle Grundlage des...

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