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Gunther Ipsen in Leipzig

Die wissenschaftliche Biographie eines «Deutschen Soziologen» 1919-1933

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David Hamann

Diese Studie widmet sich der Aufarbeitung der «Deutschen Soziologie», die während der 1920er Jahre innerhalb völkisch-nationalistischer Kreise interdisziplinär entwickelt wurde. Der Zugang erfolgt über die biographische Annäherung an einen der Hauptakteure, den Leipziger Soziologen Gunther Ipsen. Sein Werdegang vom Frontkämpfer zum Vordenker der NS-Agrarsoziologie wird vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Weimarer Republik analysiert. Ipsens interdisziplinäre Theoriebildung diente der praktisch-politischen Zielsetzung eines autarken «Großdeutschlands»: Er stellte «ganzheitliche», deutsche Wissenschaft einer «zersetzenden», «westlichen» Empirie gegenüber und legte damit Grundlagen für spätere Pläne zur ethnischen «Neuordnung Europas».
Diese Arbeit wurde 2012 mit dem Förderpreis Agrargeschichte ausgezeichnet.

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Gestalttheorie und die „Leipziger Schule der Ganzheitspsychologie“

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Einleitung Die Leipziger Schule der Gestalttheorie, die Ganzheitspsychologie des Wundt- Schülers Felix Krueger, repräsentiert den ersten und zentralen der wissenschaftli- chen Ansätze Ipsens. Ebenso bildet sie eine wichtige Vorstufe für die ab 1939 von Ipsen und Arnold Gehlen an der Universität Wien betriebene philosophische Anthropologie, deren Grundlagen Ipsen bereits zu Beginn der 30er Jahre unter Rückgriff auf Goethes Metamorphosen beschrieb.86 Obwohl Ipsen bis in die Mitte der 1920er Jahre zum Kern der Gestalt- und Ganzheitstheoretiker gehörte und sowohl seine Dissertation als auch seine Habili- tationsschrift innerhalb dieser Disziplin verfasste, fand das ganzheitspsychologische Kapitel seiner Biographie kaum Erwähnung87 – dabei erklärt es bei näherem Hin- sehen sowohl Ipsens schwer verständliches Wissenschaftsbild als auch seine frühe Hinwendung zu einer Theorie der „Gemeinschaft“. Um sein interdisziplinäres Wissenschaftsverständnis näher beleuchten zu kön- nen und um die Bedeutung des „ganzheitlichen“ Wissenschaftszweigs der frühen 1920er Jahre für Ipsens Werdegang angemessen zu berücksichtigen, soll im folgen- den die Gestalttheorie beziehungsweise Leipziger Ganzheitspsychologie vorgestellt werden. Daran anschließend werden Ipsens Dissertation und die Habilitations- schrift untersucht. Ipsens Anfänge am Leipziger Institut für Kultur- und Universalgeschichte Gunther Ipsen schrieb sich zum Wintersemester 1920/21 an der Universität Leip- zig ein; sein offizielles Universitätsleben begann jedoch schon im Sommersemester 1917 in Innsbruck, wo er für Philosophie, Psychologie, klassische Altertumswissen- schaft, indogermanische Sprach- und Altertumskunde und Orientalistik einge- schrieben war. Allerdings ging diese Immatrikulation nicht mit einem Studium ein-...

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