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Gunther Ipsen in Leipzig

Die wissenschaftliche Biographie eines «Deutschen Soziologen» 1919-1933

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David Hamann

Diese Studie widmet sich der Aufarbeitung der «Deutschen Soziologie», die während der 1920er Jahre innerhalb völkisch-nationalistischer Kreise interdisziplinär entwickelt wurde. Der Zugang erfolgt über die biographische Annäherung an einen der Hauptakteure, den Leipziger Soziologen Gunther Ipsen. Sein Werdegang vom Frontkämpfer zum Vordenker der NS-Agrarsoziologie wird vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Weimarer Republik analysiert. Ipsens interdisziplinäre Theoriebildung diente der praktisch-politischen Zielsetzung eines autarken «Großdeutschlands»: Er stellte «ganzheitliche», deutsche Wissenschaft einer «zersetzenden», «westlichen» Empirie gegenüber und legte damit Grundlagen für spätere Pläne zur ethnischen «Neuordnung Europas».
Diese Arbeit wurde 2012 mit dem Förderpreis Agrargeschichte ausgezeichnet.

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Die Sprache – Trennlinie des „Eigenen“ und des „Fremden“

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Einleitung Sowohl die Sprachwissenschaft als auch die Philosophie vom Sprechen als Heuris- tik und Ausdrucksform einer lebendigen, gemeinschaftlichen Kommunikation ha- ben eine große und nachhaltige Faszination auf Ipsen ausgeübt, die Zeit seines Le- bens Einfluss auf sein Denken nahm; Sprache sah er als kulturelles Normativ, sie bedeutete lebendige Synthese und einen wichtigen Bestandteil der Anthropologie: „Im Sprechen äußert sich derart die ungeteilte Lebendigkeit des Menschen. Indem es diese äußert ist es von Anbeginn der Trennung in Subjekt und Objekt überhoben. Das Gespräch ist nicht nur Kundgabe des Individuums, sondern vor allem dessen Vereinigung mir dem Andern draußen. Die Spra- che ist eine Brücke, geschlagen zwischen Mensch und Welt“.213 Die Anfänge dieser Faszination lassen sich bis in seine erste Studienzeit zurückver- folgen; bereits 1917 war er für indogermanische Sprach- und Altertumskunde, ver- gleichende Sprachwissenschaft und (Alt-)Orientalistik eingeschrieben, in Leipzig setzte er seine sprachwissenschaftlichen Studien fort. Ipsen fand seinen Broterwerb ab Ende der 1920er Jahre in der beginnenden Karriere als Volkstumssoziologe, doch noch im Jahr 1951 beteuerte er gegenüber dem Althistoriker Franz Altheim: „die indogermanische Sprachforschung ist zwar meine erste Liebe, aber eben doch nur Nebenberuf, damals sehr zum Kummer von Streitberg“.214 Gunther Ipsen hatte durch seine Lehrer Wilhelm Streitberg und Eduard Sievers be- reits während der frühen 1920er Jahre exzellente Beziehungen zu einer großen An- zahl von Sprachwissenschaftlern, von denen er vielen auch nach 1945 verbunden blieb, wie zum Beispiel seinem „alten Freunde“ und...

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