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Gunther Ipsen in Leipzig

Die wissenschaftliche Biographie eines «Deutschen Soziologen» 1919-1933

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David Hamann

Diese Studie widmet sich der Aufarbeitung der «Deutschen Soziologie», die während der 1920er Jahre innerhalb völkisch-nationalistischer Kreise interdisziplinär entwickelt wurde. Der Zugang erfolgt über die biographische Annäherung an einen der Hauptakteure, den Leipziger Soziologen Gunther Ipsen. Sein Werdegang vom Frontkämpfer zum Vordenker der NS-Agrarsoziologie wird vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der Weimarer Republik analysiert. Ipsens interdisziplinäre Theoriebildung diente der praktisch-politischen Zielsetzung eines autarken «Großdeutschlands»: Er stellte «ganzheitliche», deutsche Wissenschaft einer «zersetzenden», «westlichen» Empirie gegenüber und legte damit Grundlagen für spätere Pläne zur ethnischen «Neuordnung Europas».
Diese Arbeit wurde 2012 mit dem Förderpreis Agrargeschichte ausgezeichnet.

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Arbeit am Soziologischen Institut Hans Freyers 1925-1933

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Einleitung In diesem Abschnitt wird der Blick auf Ipsens „Hauptberuf“ und seine Tätigkeit als Soziologe gelenkt. Mehr als fünf Jahre, vom 14. Februar 1925 bis zu seinem Ruf an die „Grenzlanduniversität“ Königsberg zum 01. Oktober 1933, arbeitete Ipsen am Soziologischen Institut der Universität Leipzig, dessen Mitgründer er war. Nach seiner Habilitation schlug er sich zunächst anderthalb Jahre als unbezahlter Privat- dozent durch, bevor er dank einer Intervention Kruegers beim Ministerium für Volksbildung in Dresden einen kleinen Lehrauftrag für Geschichtsphilosophie er- hielt, der mit der Hälfte des Anfangsgehalts eines Assistenten vergütet wurde, ab 1928 mit 70 % beziehungsweise 4800 Reichsmark im Jahr.251 Während dieser Zeit kam er mit engagierten Studenten in engeren Kontakt und wurde zusammen mit Hans Freyer ein Knotenpunkt eines Netzwerks völkisch denkender Wissenschaftler, die zur Gruppierung der „Deutschen Soziologie“ zu zählen sind und dem unter anderem Werner Markert, Karl-Heinz Pfeffer, Hans Linde und seine späteren Assistenten und enge Mitarbeiter, Helmut Haufe und Helmut Klocke angehörten. Ipsen, der von der ganzheitlichen Psychologie Krue- gers und der von Freyer forcierten kulturgenetischen Tradition des Instituts für Kultur- und Universalgeschichte geprägt war, versicherte sich hier eines großen In- teresses für seine Bemühungen um die Erforschung der „Struktur Deutschlands“ und begann recht zügig mit der Abhaltung soziologischer Veranstaltungen, die weithin einen guten Ruf genossen. Zu Beginn seiner Lehrtätigkeit unterrichtete er mit Vorliebe kleine Kreise fortgeschrittener Studenten, hatte aber anfangs trotz...

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