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Tauschen und Täuschen

Kleist und (die) Ökonomie

Edited By Christine Künzel and Bernd Hamacher

Obwohl die Werke Heinrich von Kleists inzwischen unter zahlreichen diskursiven Aspekten (Recht, Religion, Politik, Naturwissenschaften u.v.a.) untersucht worden sind, liegen bisher kaum Arbeiten vor, die sich explizit mit der Bedeutung von Ökonomie bzw. Formen des Tausches in Kleists Werk beschäftigen. Dieser Umstand verwundert umso mehr, als seit einigen Jahren – auch im deutschsprachigen Raum – eine umfangreichere Beschäftigung mit dem Verhältnis von Literatur und Wirtschaft stattfindet, die angesichts der globalen Finanzkrise eine über die disziplinären Grenzen hinausreichende Aktualität und Relevanz erlangt hat. Dieser Band versammelt zum ersten Mal Beiträge, die sich in interdisziplinärer Perspektive explizit verschiedenen Aspekten des Ökonomischen in Kleists Werk widmen.

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I. Geld, Ich und Kunst

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19 Das Geschäft des Schreibens. Kleist und die Bausteine einer liberalen Poetologie Georg Tscholl I. 1808, ein Jahr nach dessen Tod, beginnt Hans Jacob von Auerswald (1757-1833), zu der Zeit schon hoher und verdienstvoller ostpreußischer Beamter, die Vermischten Schriften seines Lehrers, des Königsberger Uni- versitätsprofessors für Praktische Philosophie Christian Jacob Kraus (1753-1807), herauszugeben. Es werden insgesamt acht Bände,1 abge- schlossen 1819 mit einer Biografie des Historikers Johannes Voigt (1786- 1863). Voigt selbst lehrte seit 1817 in Königsberg, seine Darstellung stützt sich im Wesentlichen auf Zeitzeugen, Ansässige, deren Erinnerungen und Briefe (vgl. Vorrede VS 8, III-VIII). Der notorische Publikationsver- weigerer Kraus2 war doch seinerzeit in aller Munde. Kant und er hatten vorübergehend eine WG (VS 8, 132), mit Hamann war er befreundet (VS 8, VII). Dabei seien ihm Geschäftsmänner oft lieber als „einige der ihm unausstehlichen Metaphysiker“ (VS 8, 127) gewesen. Kraus schätzte den Austausch, den – vielleicht überraschenden – Verkehr: Er übersetzte aus dem Englischen, u. a. Hume; und die Bibel, „als das Buch für meinen Geist“, stelle er neben den Tristram Shandy, „der meine Laune und mei- nen Witz ausbildet“ (VS 8, 39). 1781 hält er die ersten Vorlesungen. „Mei- ne Zuhörer sind so überzahlreich nicht, wie bei Kant, aber sie sind un- gemein artig und scheinen gegen mich eine Achtung zu beweisen, die ich weder vermuthet hatte, noch begreifen kann“ (VS 8, 97). Sein Englisches Collegium über Shakespeare, von sechs bis sieben, und...

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