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Tauschen und Täuschen

Kleist und (die) Ökonomie

Edited By Christine Künzel and Bernd Hamacher

Obwohl die Werke Heinrich von Kleists inzwischen unter zahlreichen diskursiven Aspekten (Recht, Religion, Politik, Naturwissenschaften u.v.a.) untersucht worden sind, liegen bisher kaum Arbeiten vor, die sich explizit mit der Bedeutung von Ökonomie bzw. Formen des Tausches in Kleists Werk beschäftigen. Dieser Umstand verwundert umso mehr, als seit einigen Jahren – auch im deutschsprachigen Raum – eine umfangreichere Beschäftigung mit dem Verhältnis von Literatur und Wirtschaft stattfindet, die angesichts der globalen Finanzkrise eine über die disziplinären Grenzen hinausreichende Aktualität und Relevanz erlangt hat. Dieser Band versammelt zum ersten Mal Beiträge, die sich in interdisziplinärer Perspektive explizit verschiedenen Aspekten des Ökonomischen in Kleists Werk widmen.

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III. Bezüge zu zeitgenössischen ökonomischen Diskursen

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137 Kleists Zerbrochner Krug als Bühne des institutional change Birger P. Priddat Augenscheinlich handelt das Theaterstück von einem korrupten Laien- richter, der sich, schweijkähnlich, aus einem Akt des sexual harrassment herauslügen will. Dies misslingt ihm und eine ordentliche Gerichtsbar- keit erscheint am Horizont der weiteren Entwicklung. I. Der staatsordnende Horizont Dieser staatsordnende Horizont ist in die Entwicklung der holländischen Republik verlagert, ins 17. Jahrhundert,1 geschrieben wurde das Stück allerdings im preußischen absoluten Staat zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1806/erste Veröffentlichung 1808). Die Gerechtigkeit, das große Hori- zontthema, scheint herrschaftsformübergreifend zu sein. Keine Andeu- tung über die Qualität von Herrschaftsformen (Königtum/Republik) er- folgt, nur über die Qualität geordneter Verwaltung, hier der juridischen. Doch bleibt ein Überschuss: auch Republiken können geordnete Staaten werden. Wir haben es, wenn wir überhaupt so reden dürfen, mit einem Lob der Verwaltung zu tun, insbesondere ihrer Gesetzeshaftigkeit, bzw. weiter gefasst mit einem Lob des Gesetzes (in Montesquieu’scher Ma- nier),2 wenn auch nicht apologetisch. 1 Thomas Weitin meint aus Indizien schließen zu können, dass es in den Niederlanden nach 1666 spiele. Vgl. Thomas Weitin: „Dichter und Richter.“ Probleme des Urteilens im 18. Jahrhundert. In: Rechtsgeschichte. Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für europäi- sche Rechtsgeschichte 6. Frankfurt a. M. 2005. URL: http://data.rg.mpg.de/rechtsge schichte/rg06_recherche_weitin.pdf (letzter Zugriff: 21.12.2012), S. 143-160, hier S. 145. 2 Dass Kleist das Lustspiel unter dem Eindruck eines Kupferstichs von Jean Jacques Le Veau (nach...

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