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Instrumente zur Sicherung von angemessenen Arbeitsbedingungen für Praktikanten

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Nina Wagner

Unter dem Begriff «Generation Praktikum» wird die Praxis von Unternehmen verstanden, arbeitsuchende Fach- und Hochschulabsolventen als Praktikanten oder Volontäre einzustellen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen. Dabei wird in der betrieblichen Praxis nicht selten gegen geltendes Recht verstoßen. Die Hauptursachen: mangelnde Transparenz, Regelungslücken und weitgehende Sanktionslosigkeit bei Missbrauch von Praktikantenverhältnissen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Rechtssicherheit und mehr Schutz der Praktikanten vor Ausbeutung nur durch gesetzliche Änderungen im Berufsbildungsgesetz zu erreichen sind. Erforderlich sind unter anderem eine klare Definition von Praktikantenverhältnissen, eine Gleichbehandlung von Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika, ein Schriftformerfordernis für Praktikantenverträge sowie Beweiserleichterungen bei der gerichtlichen Durchsetzung von Ansprüchen.

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Einleitung

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Es war eine Überschrift in der in der Wochenzeit „DIE ZEIT“, die ein gesell- schaftliches Phänomen vor fünf Jahren zu einem politischen und rechtlichen Thema machte: „Generation Praktikum“1. Seitdem wird unter diesem Begriff die Praxis von Unternehmen verstanden, arbeitsuchende (Fach-) Hochschulabsolven- ten als Praktikanten oder Volontäre einzustellen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen.2 Diese Definition erfasst jedoch nur einen Ausschnitt des Problems Praktikum: Es gab schon damals eine große Vielfalt von Formen: Schülerprakti- ka, Praktika vor, während und nach dem Studium, aber auch nach einer Berufs- ausbildung. Für den ersten Kontakt mit der Arbeitswelt gibt es viele Gründe: Berufs- bzw. Praxiserfahrung zu sammeln, Orientierung für die Berufswahl zu finden und die Hoffnung, über ein Praktikum leichter einen Arbeitsplatz zu be- kommen. Bei den Arbeitgebern gibt es edle und unedle Motive, Praktikanten zu beschäftigen: eine gesellschaftliche Verantwortung für die Ausbildung des Nach- wuchses, die Erprobung möglicher künftiger Mitarbeiter und der Missbrauch bil- liger oder kostenloser Mitarbeiter. Das alles spielt sich seit Erlass des Berufsbildungsgesetzes 1969 keinesfalls in einem rechtsfreien Raum ab. Nach diesem Gesetz und der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes haben Praktikanten unter anderem einen Anspruch auf ein Zeugnis, eine angemessene Vergütung, eine Probezeit und verkürzte Kündi- gungsfristen. Es gelten zudem weitere arbeitsrechtliche Rechtsvorschriften und Rechtsgrundsätze wie das BUrlG, EFZG und das ArbZG. Ein Rechtsrahmen, den die betriebliche Praxis bisher aber häufig ignoriert hat. Die öffentliche Debatte über die „Generation Praktikum...

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