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Instrumente zur Sicherung von angemessenen Arbeitsbedingungen für Praktikanten

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Nina Wagner

Unter dem Begriff «Generation Praktikum» wird die Praxis von Unternehmen verstanden, arbeitsuchende Fach- und Hochschulabsolventen als Praktikanten oder Volontäre einzustellen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen. Dabei wird in der betrieblichen Praxis nicht selten gegen geltendes Recht verstoßen. Die Hauptursachen: mangelnde Transparenz, Regelungslücken und weitgehende Sanktionslosigkeit bei Missbrauch von Praktikantenverhältnissen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Rechtssicherheit und mehr Schutz der Praktikanten vor Ausbeutung nur durch gesetzliche Änderungen im Berufsbildungsgesetz zu erreichen sind. Erforderlich sind unter anderem eine klare Definition von Praktikantenverhältnissen, eine Gleichbehandlung von Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika, ein Schriftformerfordernis für Praktikantenverträge sowie Beweiserleichterungen bei der gerichtlichen Durchsetzung von Ansprüchen.

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A. Empirische Untersuchungen und Umfragen

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Der Diskussion um die „Generation Praktikum“ fehlte lange Zeit eine empiri- sche Basis. Neben einer Vielzahl von Artikeln in den Feuilletons existierten le- diglich ein paar Übersichtsbeiträge, die jedoch eine quantitative Einordnung des Phänomens nicht erlaubten.7 Dies erschwerte die sachliche Diskussion über die Relevanz des Themas. Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist zwar Zahlen über sozialversicherungspflichtig beschäftigte Praktikanten aus. Die Statistik enthält jedoch nur Personen, die „eine in Studien- oder Prü- fungsordnung vorgeschriebene Tätigkeit im Rahmen eines rentenversicherungs- pflichtigen Vor- oder Nachpraktikums verrichten“ (Statistik der Bundesagentur für Arbeit).8 Seit dem Jahr 2000 liegt die Anzahl an Praktikanten danach bei etwa 60.000 bis 70.000. Tatsächlich gibt es aber erheblich mehr Praktikanten. Insbesondere Hochschulabsolventen, die nach Abschluss ihres Studiums ein un- entgeltliches Praktikum absolvieren, werden von dieser Statistik nicht erfasst. Über die in der öffentlichen Diskussion angeprangerten Praktika werden zudem selten Verträge abgeschlossen. Schätzungen zu Folge ist eine Zahl von 150.000 bis 200.000 Praktikanten, die einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss haben oder diesen anstreben, realistisch. Darüber hinaus gibt es noch eine be- trächtliche Anzahl von anderen bezahlten und unbezahlten Praktikanten, so dass insgesamt von einer Zahl von rund 600.000 Betroffenen auszugehen ist.9 Inzwi- schen wurden jedoch Untersuchungen veröffentlicht, die für sich in Anspruch nehmen, repräsentative Daten zu dem Thema bereitzustellen. 7 Vgl. Möhrchen, Praktikum als prekäre Beschäftigung, abrufbar unter: http://www.werkstadt- dortmund.de/werkstadt/fair/praktikum.php; Böhning/Helbig/Heyser, Praktika von Hochschul- absolventen, abrufbar unter: http:...

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