Show Less

Instrumente zur Sicherung von angemessenen Arbeitsbedingungen für Praktikanten

Series:

Nina Wagner

Unter dem Begriff «Generation Praktikum» wird die Praxis von Unternehmen verstanden, arbeitsuchende Fach- und Hochschulabsolventen als Praktikanten oder Volontäre einzustellen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen. Dabei wird in der betrieblichen Praxis nicht selten gegen geltendes Recht verstoßen. Die Hauptursachen: mangelnde Transparenz, Regelungslücken und weitgehende Sanktionslosigkeit bei Missbrauch von Praktikantenverhältnissen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Rechtssicherheit und mehr Schutz der Praktikanten vor Ausbeutung nur durch gesetzliche Änderungen im Berufsbildungsgesetz zu erreichen sind. Erforderlich sind unter anderem eine klare Definition von Praktikantenverhältnissen, eine Gleichbehandlung von Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika, ein Schriftformerfordernis für Praktikantenverträge sowie Beweiserleichterungen bei der gerichtlichen Durchsetzung von Ansprüchen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

B. Lösung durch freiwillige Initiativen

Extract

I. Initiative „Fair Company“ Mehr als 1000 Unternehmen unterstützen die Initiative „Fair Company“, die die Zeitschrift „Junge Karriere“ im September 2004 gegründet hat.31 Die Initiative setzt sich für faire Praktika und echte Chancen für Hochschulabsolventen ein. Vor dem Beitritt müssen die Unternehmen fünf Regeln unterschreiben: Sie verpflich- ten sich dadurch unter anderem, keine Vollzeitstellen mit Praktikanten, Volontären oder Hospitanten zu besetzen, keinen Hochschulabsolventen mit einem Praktikum zu vertrösten, der sich auf eine feste Stelle beworben hat, und keinen Praktikanten mit der vagen Aussicht auf eine anschließende Vollzeitstelle zu ködern. Sie bieten Praktika vielmehr vornehmlich zur beruflichen Orientierung während der Aus- bildungsphase an und zahlen Praktikanten eine angemessene Aufwandsentschä- digung.32 Um sicherzustellen, dass sich die Unternehmen an die Regeln halten, werden Praktikanten aufgefordert, von ihren Erfahrungen aus den „Fair Compa- nies“ zu berichten. Bei einem nachweisbaren Verstoß werden die Unternehmen kontaktiert und – im Wiederholungsfalle – als „Fair Company“ ausgeschlossen.33 2008 hat der damalige Bundesminister Olaf Scholz die Schirmherrschaft über die- se Initiative übernommen. Die ständig wachsende Anzahl der Unternehmen, die sich selbst verpflichten, ihre Praktikanten nach bestimmten Regeln zu behandeln, spricht für den Erfolg und die Bekanntheit der Initiative. Sie nutzen die Chance, mit Fairness und einer neuen Ethik für das eigene Unternehmen zu werben.34 Die Schwäche dieser Idee liegt jedoch in der Tatsache begründet, dass die Regelungen sehr offen formuliert sind. Eine Festlegung der Vergütung fehlt ganz. Ein Ver- stoß ist deshalb auch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.