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Instrumente zur Sicherung von angemessenen Arbeitsbedingungen für Praktikanten

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Nina Wagner

Unter dem Begriff «Generation Praktikum» wird die Praxis von Unternehmen verstanden, arbeitsuchende Fach- und Hochschulabsolventen als Praktikanten oder Volontäre einzustellen und sie schlecht oder gar nicht zu bezahlen. Dabei wird in der betrieblichen Praxis nicht selten gegen geltendes Recht verstoßen. Die Hauptursachen: mangelnde Transparenz, Regelungslücken und weitgehende Sanktionslosigkeit bei Missbrauch von Praktikantenverhältnissen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr Rechtssicherheit und mehr Schutz der Praktikanten vor Ausbeutung nur durch gesetzliche Änderungen im Berufsbildungsgesetz zu erreichen sind. Erforderlich sind unter anderem eine klare Definition von Praktikantenverhältnissen, eine Gleichbehandlung von Pflichtpraktika und freiwilligen Praktika, ein Schriftformerfordernis für Praktikantenverträge sowie Beweiserleichterungen bei der gerichtlichen Durchsetzung von Ansprüchen.

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G. Kollektivvertragliche Regelungsmöglichkeiten

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I. Praktikanten in der Tarifvertragspraxis Die Sozialpartner haben bisher wenig getan, um die Rechtsstellung der Prak- tikanten und ihren Schutz vor Ausbeutung durch Tarifverträge oder Betriebs- vereinbarungen zu verbessern. Selbst nach Kenntnis des DGB und des Tarif- archivs der Hans-Böckler-Stiftung gibt es bisher nur einen einzigen Tarifvertrag für Praktikanten/Praktikantinnen: den im öffentlichen Dienst. Er regelt Prakti- kantenverhältnisse für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Erzieher und Kinderpfleger, Masseure und Rettungsassistenten. Gemeinsam ist in fast al- len diesen Berufen, dass die jeweiligen Ausbildungsordnungen eine „praktische Tätigkeit“ nach (!) dem Fachhochschulstudium als Voraussetzung für die staatli- che Anerkennung der Examina vorschreiben. Die monatlichen Entgelte bewegen sich zwischen 1200.- und knapp 1500.- Euro pro Monat, offenbar eine Anerken- nung dafür, dass diese Praktika nach dem Fachhochschulstudium stattfinden und die Praktikanten/Praktikantinnen schon einen großen Teil der Tätigkeiten selb- ständig erledigen können. Einzelgewerkschaften wie zum Beispiel die IG Metall und die IG BCE hat- ten bisher kein großes Interesse an tarifvertraglichen Regelungen für Praktikan- ten, weil diese nicht zu ihrer Stammkundschaft gehören und sie selten Gewerk- schaftsmitglieder sind. In der Elektro- und Metallbranche arbeiten nur wenige Praktikanten – im Gegensatz zur Medien-, Kreativ- und Kulturwirtschaft, wo die Gewerkschaften aber nur wenig Einfluss haben. Auch in der Chemiegewerk- schaft ist das Interesse an Praktikanten eher gering: Sie sind nur kurz im Unter- nehmen und haben deshalb in der Regel keine Bindung zu ihm. Eine Klientel, die auch über Betriebsräte und die Jugend- und...

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