Show Less

Wissenschaftskommunikation im Vergleich: Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

Fallstudien zum Sprachenpaar Deutsch-Italienisch

Series:

Dorothee Heller

Die in diesem Band zusammengeführten Studien zum Sprachgebrauch deutsch- und italienischsprachiger Autoren sowie Übersetzer wissenschaftlicher Texte gehen den folgenden Fragen nach: Wie wird forschendes und sprachliches Handeln einzelsprachlich umgesetzt? Welche Ressourcen der beiden Sprachen werden in diesem Zusammenhang in besonderer Weise genutzt? Behandelt werden zum einen signifikante Ausschnitte aus der deutschen und italienischen Sprach- und Wissenschaftsgeschichte. Zum anderen wird anhand von Daten aus einem Paralleltextkorpus aufgezeigt, wie italienische und deutschsprachige Autoren heute verfahren, wenn sie ihre Leser im Text- und Wissensraum orientieren sowie Forschungstätigkeiten und damit verbundene sprachliche Handlungen verbalisieren. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verwendung deiktischer und verbaler Ausdrucksmittel zuteil, die auf den ersten Blick unauffällig sind, für die Übersetzung aber nicht unerhebliche Herausforderungen mit sich bringen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3 Handlungskommentierung und Leserorientierung

Extract

Die Ausschnitte aus den Texten von Galilei und Wolff haben deutlich gemacht, dass beide Autoren bemüht sind, den Rezeptionsprozess ihrer Leser zu unter- stützen und dass sie dieses Bemühen durch gezielte Maßnahmen kenntlich ma- chen. Die Schwerpunktsetzungen und Vorgehensweisen sind dabei sehr unter- schiedlich. Galilei legt sein wissenschaftliches Anliegen und seinen Handlungsplan in der Vorrede zum Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme offen. Im Dialog selbst werden Gesprächsführung und Entwicklung der Argumentation von den Diskutanten wiederholt thematisiert. Dies geschieht nicht nur in den einleitenden Passagen zu den einzelnen Gesprächstagen, sondern der gesamte Text weist eine Vielzahl kommentierender Einschübe auf, mit denen die Auf- merksamkeit der Leser gesteuert wird. Wenngleich die Wahl der Sprache pro- grammatisch ist für Galileis Absage an eine noch weitgehend vom Lateinischen dominierte Wissenschaftstradition, werden Fragen des Ausdrucksinventars der italienischen Wissenschaftssprache in diesem Zusammenhang nicht zum Gegen- stand gemacht. Das Werk des Philosophen und Mathematikers Wolff wird hingegen von seiner Arbeit an der deutschen Sprache in besonderer Weise mitbestimmt. Aus diesem Grund widmet er dieser Arbeit in der Schrift Ausführliche Gedancken ein eigenes Kapitel, in dem er die leitenden Prinzipien seiner Sprachverwendung und seine Vorgehensweise auf den Punkt bringt. Dies geschieht in der Retro- spektive, denn zu diesem Zeitpunkt hat Wolff seinen Beitrag zum Strukturaus- bau der deutschen Wissenschaftssprache bereits umgesetzt, nicht nur durch die Abfassung seiner Schriften in deutscher Sprache, sondern auch durch die jewei- ligen deutsch-lateinischen Glossare. Seine Sprachenwahl ist ebenfalls program- matisch, aber...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.