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Wirtschaftsethik in Russland

Gestern – Heute

Christine Frank

Die aktuellen gesellschaftlichen Debatten in Russland zeigen, dass sozialer Friede und Gerechtigkeit nicht auf der Basis von Wirtschaftswachstum allein zu gewährleisten sind. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den Grundlagen legitimen Wirtschaftens in Russland, die einen gewinnbringenden wie sinnstiftenden Beitrag zum gesellschaftlichen Mehrwert leisten können. Im ersten Teil der Arbeit erfolgt die Zusammenführung integrativer wirtschaftsethischer Prinzipien mit den ökonomischen Handlungsorientierungen der russischen Gesellschaft. Alsdann wird der gesellschaftliche Mehrwert ökonomischer Akteure in Russland definiert und an praktischen Fallbeispielen belegt. Ziel des sozialen Engagements der Unternehmen sollte ihre wirtschaftliche Effizienz sein, die auch gemeinschaftlich eingebunden, das heißt auch ökologisch und sozial verantwortbar und damit insgesamt legitim ist.

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2 Wirtschaftsethik

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2.1 Integrative Wirtschaftsethik Spätestens seit der Auflösung der Sowjetunion durchleben ihre Nachfolgestaa- ten, aber auch die Staaten Westeuropas und Nordamerikas eine umfassende Ordnungskrise (Ulrich, 2009). Im Zuge der dritten Industriellen Revolution er- fahren unsere Gesellschaften einen Wandel, bei dem wir sowohl den Bedeu- tungsverlust des Nationalstaates und der nationalen Identität als auch die Ab- nahme der produzierenden zugunsten der Dienstleistungswirtschaft erfahren (Habermas (2001) in Palazzo/Scherer, 2006). Im Zentrum dieses Wandlungs- prozesses steht das unklar gewordene Verhältnis zwischen Wirtschaft und Ge- sellschaft. So unklar dieses Verhältnis auch ist, fest steht, dass es auch in Zu- kunft kein von ethisch-normativen und politischen Voraussetzungen freies Wirt- schaftssystem geben wird. Wie bei allen postindustriellen Nationen und ver- stärkt durch die Transformationsprozesse im ausgehenden 20. Jahrhundert stellt sich auch in Russland die Frage nach der Gestaltung einer „zivilisierten Markt- wirtschaft“ (Ulrich, 2009: 15), in der die „Lebenslage der Bürger […], deren reale Freiheit und Gleichberechtigung“ nicht von der „strukturellen Parteilich- keit des [reinen] Marktes“ (Ulrich, 2009: 15) eingegrenzt und die Lebensqualität sowie die Leistungsfähigkeit der Gesamtgesellschaft durch eine reine ökonomi- sche Rationalität eingeschränkt wird. Inspirierend für diese Überlegungen ist die im Geiste einer humanistischen und liberalen Sichtweise entwickelte Integrative Wirtschaftsethik von Peter Ul- rich. Im Allgemeinen befasst sich Wirtschaftsethik mit der Anwendung ethisch- normativer Prinzipien auf die Ökonomie. Diese „angewandte“ Ethik zielt auf die Vorgabe von Bedingungen ab, die als „Gegengift“ gegen zu viel Ökonomie hel- fen sollen, das gesellschaftliche Gleichgewicht zu wahren oder...

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