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Intonation

Akustische Realität und perzeptiver Eindruck

Claudia K. Ohl

Die Arbeit untersucht anhand akustischer und perzeptiver Daten, ob es im Deutschen tatsächlich, wie allgemein angenommen, einheitliche und satztypspezifische Anpassungsstrategien für Intonationsverläufe in bestimmten segmentellen Kontexten gibt – Trunkierung und Kompression. Anhand eines umfangreichen Lesesprachekorpus mit 26.000 Äußerungen von 30 Sprechern konnte gezeigt werden, dass Sprecher keine universellen, sondern individuelle Strategien verwenden. Durch die Analyse des Spontansprachekorpus und eines Perzeptionsexperiments wird zudem deutlich, dass Hörer und Sprecher gleichermaßen eine Vielzahl an Merkmalen neben der Intonation zur Kodierung, bzw. Dekodierung, von Satztypen verwenden (u.a. Semantik).

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SCHLUSSBETRACHTUNGEN

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12 Abschließende Diskussion und Ausblick 12.1 Ergebnisse zu Trunkierung und Kompression Die Frage nach Trunkierung und Kompression war zentral bei der Entwicklung des Kor- pus gelesener Sprache. Gemäß der Literatur, insbesondere Grabe (1998a), wäre zu er- warten gewesen, dass Sprecher steigende Konturen komprimieren und fallende dagegen trunkieren. Das Fehlen eines systematischen Auftretens dieser Strategien deutete sich be- reits in den Ergebnissen meiner Magisterarbeit an (Ohl 2008). Mit den Ergebnissen aus dem deutlich umfangreicheren Korpus, der der vorliegenden Arbeit zugrunde lag lässt sich nun abschließend feststellen, dass, zumindest im Norddeut- schen, kein systematischer Gebrauch dieser typisierten Anpassungsstrategien nachgewie- sen werden kann. Zwar bestätigte sich derWortgruppeneffekt nicht in demMaße, wie man nach den Ergebnissen der Magisterarbeit hätte annehmen können, aber große Varianzen ergaben sich vielfach durch individuelle Strategien und den Einfluss der Wörter. Ein Verlgeich der Abbildungenmit den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit (Abb. 8.7, S. 108) und den Ergebnissen Grabes (Abb. 6.9, S. 72) zeigt einerseits die deutlichen Un- terschiede zwischen den Ergebnissen beider Untersuchungen und zeigt andererseits, dass Sprecher die Intonationskontur bei wenig stimmhaftem Material sowohl entlang der Zeit- als auch der Frequenzachse komprimieren. Dies gilt für Fragen und Aussagen gleicher- maßen. 12.2 Semantische Forcierung der intonatorischen Fragekodierung in gelesener Sprache Wie sich bei der Analyse der Daten des gelesenen Korpus zeigte, produzierten die Spre- cher in den meisten Fällen die vorhergesagten Intonationskategorien für die entsprechen- 171 den Satztypen: Fragen steigend, Aussagen fallend. Somit passen Sprecher sich...

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