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Stadtdispositive der französischen Literatur

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Sven Thorsten Kilian

Dispositive zeichnen sich aus durch einen phantasmatischen und affektorientierten Bezug, den das Subjekt zu ihnen herstellt und in dem es sich konstituiert. Dispositive stellen das Movens zur Verfügung, das zur immer neuen Aktualisierung dieses Bezugs verführt. Paris, Berlin, Charleroi – die Beiträge dieses Bandes lassen die Stadt als Dispositiv der Literatur zutage treten. Sie verhandeln dessen Hybridität und Heterogenität, sie reflektieren es als Produktions- und Rezeptionsstätte von Literatur, Philosophie und Kritik. Schriftsteller erfinden und zerstören Städte. Ihre Texte sind auch dort städtisch, wo gar nicht von der Stadt gesprochen wird. Die Stadt als Dispositiv manifestiert sich auch als Non-Dit des literarischen und philosophischen Diskurses.

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Einleitung

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Die Stadt ist immer schon mehr als ein Gegenstand literarischer Darstellung ge- wesen. Sie war und ist genauso Zentrum literarischer Produktion und Leinwand literarisch-philosophischer und literarisch-politischer Reflexion. An ihr entzün- den sich sowohl gesellschaftskritische und naturalistische als auch onirische und mythische Diskurse. ‚‚Die Stadt‘‘ für sich genommen erscheint damit von Beginn an in ihrem Sein als hybrid, ja monströs, als untrennbare und unabschließbare Einheit verschiedenster Seinsformationen und sozialer Praktiken. Wir bezeich- nen dieses hybride Wesen gelegentlich als „„Moloch““, der seine Kinder frisst, wobei schon diese biblische Metapher in ihrem begriffsgeschichtlichen Ur- sprung zeigt, woran es auch diesem Band gelegen ist. Was zunächst einmal vermutlich der Name eines heute nicht mehr näher bestimmbaren Gottes bezie- hungsweise des zu seinen Ehren praktizierten Opferrituals gewesen ist, wird später ästhetisch verdichtet, erhält eine Gestalt und einen Ort; wird schließlich gänzlich aus seinem religiösen Kontext gerissen und übertragen auf ein kaum fassbares Phänomen, auf ein ‚‚Verschlingen‘‘, das Faszination und Furcht zu- gleich auslöst. Schon die knappe Beschreibung dieses Phänomens macht deutlich, dass eine umfassende Darstellung der Stadtliteratur, und sei es nur die eines wie auch im- mer abzugrenzenden Kulturraums, ein unmögliches Unterfangen ist. Die in den letzten Jahren erschienen Beiträge zum Thema, die –– wie dies partiell auch für dieses Buch der Fall ist –– größtenteils ihren Ausgang auf dem Frankoroma- nistentag 2010 in Essen genommen haben, perspektivieren ihre Analysen daher folgerichtig auf den konstruktivistischen Charakter der Stadtliteratur hin....

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