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Der Geist der Freude

Studien zu den Vorlagen, zur Textgestaltung und zu den Konzeptionen der Jugendwerke des «anderen» Goethe

Jochen Bertheau

Die Werte, die in den Konzeptionen der Jugendwerke Goethes (bis zu Iphigenie, Faust und Meister) zum Ausdruck kommen, widersprechen grundsätzlich jenen des alten Goethe (Entsagung): Freude, Liebe, Mitleid. Neu gefundene Quellen zu Goethes Vorfahren, zu den Hochgradlogen und zu bisher vernachlässigten Werken von Voltaire oder Rousseau sowie Vergleiche der ersten mit späteren Fassungen und philologisch belegbare Ergänzungen zu fragmentarischen Werken erlauben fast überall eine neue Sicht auf die Werke des «anderen» Goethe, wie man neuerdings sagt. Auch die politische Gesinnung des jungen Goethe nähert ihn den revolutionären Werten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

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IV. Methoden und Mentoren

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A. Goethe als Mitbegründer der Germanistik und ihrer Methoden 1. Ein Goethe-Zitat und seine Folgen Man weiß, dass um 1800 unter „Germanistik“ noch die Beschäftigung mit juristischen Quellen im germanischen Sprachbereich verstanden wurde, ebenso unter Romanistik die Beschäftigung mit dem Römischen Recht. Dann aber wird damals daraus zunächst die Literaturgeschichte. Eine ganz besondere Leistung hierin erbrachte Goethe mit dem 7. Buch von Dichtung und Wahrheit (und, oft vergessen, mit dem Anfang des 10. Buches). Aber Goethes Beitrag zu den germanistischen Methoden geht viel weiter. „Alles, was vorher von mir bekannt geworden, sind nur Bruchstücke einer großen Confession, welche vollständig zu machen dieses Büchlein ein gewagter Versuch ist.“105 Dieser Satz mit der bedenklichen syntaktischen Fügung („Alles...sind“) wird häufig bei der Deutung von Werken Goethes zitiert, selten vollständig. Unter „Büchlein“ versteht Goethe sein umfangreichstes Werk, seine fragmentarisch gebliebenen Lebenserinnerungen unter dem Titel Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Das Fragment endet zwar etwas zufällig 1775 mit der Übersiedlung nach Weimar, die als gewagtes, wohl zum Scheitern verurteiltes Unternehmen beschrieben wird (man denke an den Vergleich mit Phaëton aus Egmont, der die Sonnenpferde nicht zu lenken weiß und abstürzen wird). Nach Goethes Plan sollte das „Büchlein“ bis 1793 oder gar 1809 reichen und auch die dichterischen Bearbeitungen der Italienischen Reise und der Campagne in Frankreich umfassen. Das Wort „vorher“ im Zitat bezieht sich jedenfalls auf alle vor 1809 entstandenen Werke, aber nicht unbedingt auf danach...

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