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Der Geist der Freude

Studien zu den Vorlagen, zur Textgestaltung und zu den Konzeptionen der Jugendwerke des «anderen» Goethe

Jochen Bertheau

Die Werte, die in den Konzeptionen der Jugendwerke Goethes (bis zu Iphigenie, Faust und Meister) zum Ausdruck kommen, widersprechen grundsätzlich jenen des alten Goethe (Entsagung): Freude, Liebe, Mitleid. Neu gefundene Quellen zu Goethes Vorfahren, zu den Hochgradlogen und zu bisher vernachlässigten Werken von Voltaire oder Rousseau sowie Vergleiche der ersten mit späteren Fassungen und philologisch belegbare Ergänzungen zu fragmentarischen Werken erlauben fast überall eine neue Sicht auf die Werke des «anderen» Goethe, wie man neuerdings sagt. Auch die politische Gesinnung des jungen Goethe nähert ihn den revolutionären Werten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

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XX. Faust

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A. Bedeutung: Einheit und Redaktion Angesichts der Vielzahl von Aufführungen und Auflagen, der Pflichtlektüre in den Schulen und germanistischen Seminaren, angesichts des ungeheuren Umfangs der Sekundärliteratur kann man vornherein Goethes Faust die größte Bedeutung nicht absprechen, weder der Tragödie (im sogenannten Ur-Faust), in welcher Faust durch Selbsttäuschung am Tod mehrerer Menschen schuldig wird, noch des opernhaften Mysterien-Dramas, in welchem Faust als ein immerzu Strebender erlöst wird. Allerdings scheint es vielen, als ob man für den Ur-Faust-Text keine geschlossene Konzeption erschließen könne, so dass diese deshalb auch in der Sekundärliteratur fast nie gesucht wird. Dennoch erweckt jede Ur-Faust-Inszenierung im Zuschauer den Eindruck einer großen tragischen Geschlossenheit. Umgekehrt zielen fast alle Interpretationen des Faust I (mit der Weiterführung im Faust II) auf eine geschlossene Deutung, obwohl sich sowohl aus Goethes eigenen Äußerungen wie aus dem Text evidente nicht auflösbare Widersprüche feststellen lassen. Diesen Eindruck verstärken die vielen ausgemünzten angeblich allgemeingültigen Sentenzen (mehr noch als in Schillers Versdra- men), ob sie nun von Gretchen, Faust, Wagner oder Mephisto im Zusammenhang der jeweiligen Rolle geäußert werden. Goethe wusste, dies war sein opus magnum, und so erschien es vielen Besuchern Goethes, welche Teile davon mitgeteilt erhielten. 1775 erschien es manchen als „fast fertig“, obwohl die etwa 1777 in Weimar gefertigte Abschrift der Göchhausen, stark vereinfachend Ur-Faust genannt, noch große, klar erkennbare Lücken aufweist. Wie fast alle anderen großen Werke Goethes...

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