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Der Gabe auf der Spur

Eine soziologische Untersuchung zu Gabe und Geschenk im gesellschaftlichen Kontext

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Elba Frank

Sind Geben und Schenken immer reziproke Handlungen oder gibt es das «Ideal» der Gabe und worin liegt es? Die Arbeit zeigt anhand einer Literaturstudie den klassischen wie aktuellen Diskurs um das Geben und Schenken unter Einbezug der historischen, soziologischen, philosophischen und ethnologisch/anthropologischen Literatur auf. Geben und Schenken unterliegt Werten und Normen, die durch Sozialisation und Erziehung vom Einzelnen internalisiert werden. Um die Normen des Gebens und Schenkens sichtbar zu machen, werden weiterhin mittels qualitativer Inhaltsanalyse die für Österreich geltenden Bildungs- und Lehrpläne ffür elementare Bildungseinrichtungen, Vor- und Volksschulen – Gesamtunterricht und Religionsunterricht – analysiert. Für alle weiterführenden Schultypen werden die Lehrpläne für den Religionsunterricht untersucht. Das Ergebnis: Die Vorstellung von Gabe ist institutionell begründet und wird durch Erziehung vermittelt.

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Erster Teil: Evolution von Gabe und Geschenk

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2. Historische und soziologische Grundlegung des Gebens und Schenkens Mit dem Geben und Schenken verhält es sich wie mit allen anderen „Urs- prungsmythen“, die Norbert Elias auf treffliche Art ad absurdum geführt hat. Ursprungsmythen, auch wissenschaftliche und Schöpfungsmythen beinhalten die „eigentümliche Vorstellung“, dass am „Anfang“ ein einzelner Mensch – „Urmensch“ oder „Urvater“ – in die Welt tritt und dass sich alle anderen Men- schen erst nachträglich zu ihm gesellten. Es sähe so aus, als ob den erwachsenen Menschen beim Nachdenken über ihren Ursprung die Tatsache, dass sie selbst, dass alle Erwachsenen als kleine Kinder zur Welt kamen, unwillkürlich ent- schwunden sei.48 So verhält es sich auch mit dem ersten Geschenk, das Erwide- rung, Erwiderungs-Erwiderung und Nachahmung nach sich zog, bis es im Heute in vielfältigen Alltagshandlungen, in institutionalisierten Formen unterschiedli- cher Ausprägung, ein unverzichtbares Element des Zusammenlebens in Ge- meinschaft und Gesellschaft, in verschiedenartigen Sozialbeziehungen darstellt. Geben und Schenken ist so alt wie die Menschheit. Die Ursache liegt darin, dass der Mensch, wie Arnold Gehlen 1940 festgestellt hat, ein „Mängelwesen“ ist.49 Im Vergleich zum Tier ist der Mensch durch physische Mängel charakteri- siert und hat dennoch die Fähigkeit, sein Dasein trotz eben dieser Mängel zu bewältigen. Zu den spezifischen Mitteln der Daseinsbewältigung gehören „hö- here Funktionen wie Fantasie und Sprache“. Hartung impliziert in Gehlens Analyse der menschlichen Natur eine „Theo- rie der Kultur“ (natura altera) für die vom Menschen zum Zweck der Lebens-...

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