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Stellenkommentar zu Christoph Martin Wielands «Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva»

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Nicki Peter Petrikowski

Mit dieser Arbeit liegt erstmals ein umfangreicher Stellenkommentar zu Wielands Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva vor, der als erster moderner Roman der deutschen Literatur bezeichnet worden ist. Trotzdem hat er in der Forschung verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit gefunden. Dies erklärt sich zum Teil aus der ihm vorgeworfenen Frivolität, die ihn auch heute noch zu einer vergnüglichen, aber keinesfalls anspruchslosen Lektüre macht. Der Stellenkommentar soll dem Leser die Schwierigkeiten des bald 250 Jahre alten Textes überwinden helfen, literarische Hintergründe erschließen, Forschungsperspektiven aufzeigen und Interpretationsansätze liefern. Sowohl interessierten Laien als auch Fachwissenschaftlern soll somit ein einfacherer – und hoffentlich ertragreicher – Umgang mit Wielands erstem Roman ermöglicht werden.

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Zum fünften Buch

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Die Abenteuer Don Sylvios sind mit dem ersten Teil des Romans beendet, der die Entstehung und Symptome seiner Schwärmerei gezeigt hatte, während der zweite Teil sich den Heilungsversuchen widmet.1296 Dieser Umgewichtung entspricht die geringere Zahl von Bezügen auf den „Don Quijote“, die zu etwa zwei Dritteln auf den ersten, aber nur zu einem Drittel auf den zweiten Teil des „Don Sylvio“ entfal- len.1297 Während der zweite Teil von Cervantes’ Roman durch zahlreiche Figuren geprägt ist, die den Helden bewusst betrügen wollen1298, wird Don Sylvio in eine wohlwollende Gesellschaft aufgenommen, worin die Absicht von Wielands Roma- nen zum Ausdruck kommt, „zu den Tugenden kultivierter Geselligkeit [zu] erzie- hen.“1299 Zu Beginn des Buches nimmt sich der Autor „das Vergnügen […], von sich selbst zu reden“1300, wobei es sich nicht um den historischen Autor Wieland, son- dern um Don Ramiro von Z***, den spanischen Autor des Manuskripts, handelt, der im „Nachbericht“ erwähnt wird und der sich mit dem ebenso fiktionalen Her- ausgeber in der Rolle des Erzählers abwechselt1301, allerdings ohne dass immer eindeutig zwischen beiden unterschieden werden könnte. Bei der Aufspaltung des Erzählers, die dem Spiel mit Erzählern und Quellen im „Don Quijote“1302 nach- empfunden ist, handelt es sich allerdings nicht um ein konsequent durchgeführtes Gestaltungsprinzip, sondern sie zeigt Brüche, die vom aufmerksamen Leser aufge- deckt werden können.1303 Das Eintreten für „die historische Treue und Wahrhaftigkeit des Autors“1304 scheint ebenfalls doppelbödig, denn w...

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