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Stellenkommentar zu Christoph Martin Wielands «Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva»

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Nicki Peter Petrikowski

Mit dieser Arbeit liegt erstmals ein umfangreicher Stellenkommentar zu Wielands Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva vor, der als erster moderner Roman der deutschen Literatur bezeichnet worden ist. Trotzdem hat er in der Forschung verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit gefunden. Dies erklärt sich zum Teil aus der ihm vorgeworfenen Frivolität, die ihn auch heute noch zu einer vergnüglichen, aber keinesfalls anspruchslosen Lektüre macht. Der Stellenkommentar soll dem Leser die Schwierigkeiten des bald 250 Jahre alten Textes überwinden helfen, literarische Hintergründe erschließen, Forschungsperspektiven aufzeigen und Interpretationsansätze liefern. Sowohl interessierten Laien als auch Fachwissenschaftlern soll somit ein einfacherer – und hoffentlich ertragreicher – Umgang mit Wielands erstem Roman ermöglicht werden.

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Zum siebten Buch

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Das siebte Buch bringt die Geschichte bis zum Abschluss gegen Mittag des sechs- ten Tages, wobei die erzählte Zeit durch einen Rückblick auf den Verbleib Pedril- los seit dem Eintreffen in Lirias und einen Epilog, der die Ereignisse nach dem ei- gentlichen Kern der Handlung darlegt, ausgeweitet wird. Die zitierten Ausführungen des spanischen Autors zeigen noch einmal die Auf- spaltung der Erzählerrolle, was die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Erzählvor- gang und die Gemachtheit des Romans lenkt. Das verstärkt verwendete Theatervo- kabular ist bezeichnend, denn „Wieland […] benutzt ohne weiteres kompositori- sche Gegebenheiten des Lustspiels, um mit ihnen das alte Gattungsproblem des Romans, die Gefahr der Formlosigkeit, kunstreich zu bewältigen”1950, was am Ende des „Don Sylvio“ betont offen gelegt wird. „Den ‚drei Einheiten’ Gottscheds entspricht in ‚Don Sylvio’ das analytische Prinzip – späte Enthüllung der Vorgeschichte (VII, 2 ff.) –, der relativ knappe Aufwand an Perso- nal, die kurze Dauer der Haupthandlung […] und die pointierte Begrenzung des Hand- lungsortes […].“1951 Eine solche Annäherung an den Aufbau des Dramas kommt bei Romanen mit ge- ringer Zeiterstreckung häufig vor1952, wobei der „Don Sylvio“ durch die zahlrei- chen Dialoge, die zuweilen durch das Auslassen der inquit-Formeln zusätzlich dem Dialog auf der Bühne angenähert sind1953, besonders an das Drama erinnert. Die komödienartige Gestaltung des Romans ist bereits den Zeitgenossen aufgefallen, wie zwei Bearbeitungen für die Singspielbühne von 1782 und 1795 beweisen.1954 So wird der Leser zu Beginn des siebten...

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