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Spiegel-Frauen

Zum Spiegelmotiv in Prosatexten zeitgenössischer österreichischer Autorinnen

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Joanna Drynda

Die ambivalente Spiegelsymbolik, ein integraler Bestandteil der feministischen Reflexion, taucht auch konstant in Prosatexten zeitgenössischer österreichischer Autorinnen auf. Einerseits versinnbildlicht der Spiegel ein mehrdimensionales Gefängnis für das weibliche Subjekt, andererseits erscheint er als Grundlage für dessen Emanzipation. Die Studie fragt danach, wie weibliche Befindlichkeiten in Spiegelbildern codiert werden. Die Struktur der Arbeit orientiert sich dabei an der symbolischen Entfernung vom Spiegel, der immer weitere Dimensionen des Hintergrunds mit zu reflektieren erlaubt: von der Fokussierung auf den weiblichen Körper, über die vorgesehenen Rollen bis hin zur Betrachtung der Gesellschaft. Abschließend werden weibliche Blicke auf Männer vor dem Spiegel untersucht.

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Einleitung

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Leerste im ganzen Land?2 „Nein, ihr hatte er eine andere Aufgabe zugedacht, sie sollte sein zweites Ich spielen, sein verzeihendes Gewissen, sein Selbstbewußtsein und seinen Nar- ziß“3, stellt die Hauptfigur in Elisabeth Freundlingers Roman Die Spiegelfrau (1999) fest und meint damit unannehmbare Forderungen eines Verflossenen. Indem derart sie auf den soeben gestohlenen Hund einredet, versucht sie das persönliche Scheitern in Worte zu kleiden, da ihre Bemühungen, freundschaftli- che Beziehungen zu Männern aufzubauen, permanent fehlschlagen. Nach und nach fügen sich die Elemente scheinbarer Erfolgsstrategien zu einem Bild der fortschreitenden Selbstzerstörung und kennzeichnen die Figur als eine aus blo- ßen Reflexen bestehende Spiegelfrau, als eine projektive Fläche mit fehlendem Selbstbezug. Während die Autorin die Abhängigkeit des weiblichen Selbstbildes von männlichen Augen schildert, reiht sie geradezu manisch Spiegelszenen und -Anspielungen aneinander, die mitunter zu klischeehaften Kulissen der Story verkürzt, mit traditionsreichen Interpretationsrastern spielen. Der unfreiwillig zuhörende Vierbeiner muss währenddessen dem neuen Frauchen einfach aufs Wort glauben, wenn es behauptet, im Spiegelkabinett stets die Botschaft über- mittelt zu bekommen, sie sei „[k]ein Mensch, nicht einmal eine Frau“.4 Sicher ließe sich hier einwenden, die Autorin tue es sich leicht, wenn sie die ausstehende weibliche Selbstidentifikation des Unterhaltungsanspruchs halber dickschichtig wie oberflächlich in bekannte Topoi einkleidet, ohne wenigstens einen Versuch zu wagen, das Bekenntnis auf Distanz zu halten. Es scheint, der Spiegel und das Phänomen der Spiegelung h...

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