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Translationswissenschaftliches Kolloquium II

Beiträge zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft (Köln/Germersheim)

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Barbara Ahrens, Silvia Hansen-Schirra, Monika Krein-Kühle and Michael Schreiber

Nach dem Erscheinen des Bandes Translationswissenschaftliches Kolloquium I (2009) geht die Veröffentlichung von Beiträgen zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft in die zweite Runde. Die Beiträge dieses Bandes basieren wiederum auf Vorträgen, die am Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation der Fachhochschule Köln sowie am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim gehalten wurden. Der Band ist den folgenden Rahmenthemen gewidmet: Translation und Philosophie, Community Interpreting: Dolmetschen im medizinisch-sozialen Bereich, Translationstechnologien, korpusbasierte Translationswissenschaft sowie multimediale Übersetzung.

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Radegundis Stolze: Hermeneutik als Orientierungshorizont beim Übersetzen

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75 Radegundis Stolze Hermeneutik als Orientierungshorizont beim Übersetzen 1 Einleitung Wenn man danach fragt, welche Implikationen denn die Philosophie im Bereich der Übersetzung haben könnte, dann befindet man sich im Blick auf die Herme- neutik „auf den Spuren einer verschütteten Evidenz“ (Cercel 2009: 7). Wenn ein Übersetzer nämlich vor der Aufgabe steht, einen Text von einer Sprache in eine andere zu übertragen, um Menschen fremde Texte zugänglich zu machen, dann ist das Problem der Hermeneutik nicht zu umgehen. Die übersetzende Person wird zunächst den Text verstehen wollen, bevor sie an die Formulierung des Translats geht. Die Hermeneutik als eine moderne Sprachphilosophie stellt wie jede Philosophie Fragen; sie fragt nach der Rolle der Sprache im Leben der Menschen. Es geht nicht um Fakten, sondern um Personen, die sich in ihrem Leben orientieren möchten: im Umgang mit anderen Menschen, im Verstehen von Fremdem, im Begründen sozialen Handelns, auch im Übersetzen. Hermeneutik ist also keine Lehre, die etwa erklären würde, was Wörter und Texte bedeuten, oder eine Kunst der Auslegung, die sagen würde wie man eine bestimmte Bedeutung erklären könnte. Es geht auch nicht um eine theoretische Grundlage der empirischen Be- schreibung des Verstehensprozesses oder dergleichen. Hermeneutik reflektiert vielmehr die Möglichkeit des Verstehens, welches selbst wiederum standortge- bunden und in historischem Wandel begriffen ist. „Etwas verstehen“ ist kein selbstverständlicher Vorgang, ja man fragt sich, ob es überhaupt möglich ist. Inwieweit solche Fragen für das Übersetzen relevant...

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