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Streitpunkt ‘Jesus’

Theologische Kontroversen zwischen Rudolf Bultmann und Rudolf Otto in ihren Bezügen zur Religionsgeschichtlichen Schule und zu Richtungen des Kantianismus im beginnenden 20. Jahrhundert

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Gudrun Beyer

Die forschungsgeschichtliche Untersuchung behandelt historiographisch und systematisch-theologisch Kontroversen zwischen den Marburger Theologen Rudolf Bultmann und Rudolf Otto zur theologischen Hermeneutik und Exegese. Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Analysen der synoptischen Tradition zur Person und zum Wirken Jesu von Nazareth. Auf der Folie neukantischer Referenzmodelle sowie von Fragestellungen der Religionsgeschichtlichen Schule werden die alternativen theologisch-hermeneutischen Modelle beider Theologen aufgezeigt, ebenso die unterschiedlichen Verständnisse der Person Jesu in dieser Konsequenz. Analysen von Nachlassmaterial, ergänzenden Archivalien und einschlägigen Veröffentlichungen beider Theologen vermitteln ein plastisches Bild ihrer Auseinandersetzung im Zenit des theologischen Umbruchs im beginnenden 20. Jahrhundert und ihre Hintergründe.

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4. Zusammenhänge von Fundamentaltheologie und Exegese im Hintergrund der Divergenzen

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Ottos Deutung, in der Person Jesu ereigne sich das für das Christentum schlechthin konstitutive ‚Urgeschehen‘, ergibt sich aus seiner divinatorischen Exegese, die in der Religion in ihrer Geschichte die Manifestation des der menschlichen Vernunft korrelierenden göttlichen Geistes sieht. Exegese ist in der fundamentaltheologischen Besinnung auf Möglichkeiten religiösen Erken- nens fundiert, die mit der geschichtlichen Wirklichkeit des Heiligen gegeben sind. Dieses Konzept steht Bultmanns Exegeseverfahren und Deutung des histo- rischen Jesus als ethischer Reformer innerhalb des Judentums seiner Zeit dia- metral entgegen. Bultmann analysiert in GST1 synoptische Stoffe historisch und reflektiert nicht auf die Bedeutungsebene christlicher Religion. Doch setzt auch GST1, will sie als theologischer Beitrag verstanden werden, die Verhältnisbestimmung his- torischer Arbeit und systematischer Reflexion auf das Wesen der Religion vor- aus, die Bultmann in EMR anspricht: D.i. die gegenseitige Freigabe der Frage- stellungen und Untersuchungswege, die bei der den Zugang zur Religion erschließenden Selbstbesinnung einsetzen. Dass Bultmann die Frage nach dem historischen Jesus von derjenigen nach der Religion trennt, ergibt sich konse- quent. Wie einst David Friedrich Schleiermacher und später Wilhelm Herrmann setzt er Religion in Beziehung zur Geschichte. Sein Verständnis von Geschichte und historischer Arbeit fließt ein.1 In seinem posthum von Walter Schütte veröf- fentlichten Brief an Rudolf Otto vom 6.4.19182 erläutert Bultmann sein Religi- onsverständnis, das er 1917 als „Beziehung des Menschen zum Transzenden- ten”3 umriss. 1920 entfaltet er es erneut in RuK. Religion, Geschichte und histo- rische Arbeit stehen miteinander im Spiel....

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