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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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2. Identität – Identitäten.Theoretische Vorüberlegungen

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17 2. Identität – Identitäten. Theoretische Vorüberlegungen 2.1. Zum Begriff der Identität Identität ist einer der Grundbegriffe der Psychologie, Soziologie und Ethnologie des 20. Jahrhunderts, der die Grenzen dieser Wissenschaftsdisziplinen schon längst überschritten hat. So nehmen Debatten über Identität in den letzten Jahr- zehnten sowohl in philosophischen und soziopsychologischen Diskursen als auch in den Politikwissenschaften, der Anthropologie und der Literaturwissen- schaft eine zentrale Stellung ein. In den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen wird der Identitätsbegriff mit je eigenen Forschungsmethoden und – terminologien gekennzeichnet und diskutiert; dabei entstand im Laufe der Zeit eine recht unübersichtliche Flut von Publikationen. Das Thema „Identität“ hat Identitätsschwierigkeiten: die gegenwärtig inflationäre Entwicklung seiner Diskussion bringt nicht nur Ergebnisse, sondern auch Verwir- rungen. In wachsendem Maße gilt gerade bei der Identität: alles fließt. So werden die Konturen des Identitätsproblems unscharf; es entwickelt sich zur Problemwolke mit Nebelwirkung: Identitätsdiskussionen werden – mit erhöhtem Kollisionsrisiko – zum Blindflug.7 Diese Bemerkung Odo Marquards aus dem Jahr 1979 hat in den vergangenen drei Jahrzehnten nichts an Aktualität verloren, im Gegenteil, der Identitätsbegriff ist, laut Karl-Michael Brunner, zum „Inflationsbegriff Nr. 1“8 geworden. Das aus dem Lateinischen stammende Wort Identität bedeutet ursprünglich „Gleichheit“. Doch Gleichheit im Sinne von Koinzidenz ist nur in der Welt der mathematischen Formeln denkbar. Ludwig Wittgenstein behauptet: „Von zwei Dingen zu sagen, sie seien identisch, ist ein Unsinn, und von Einem zu sagen, es sei identisch mit sich selbst, sagt gar nichts...

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