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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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3. Historisch-politische Rahmenbedingungen der rumäniendeutschen Literatur

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An dieser Stelle ist ein kurzer Exkurs über die literarische Zensur angebracht, und damit über die Überwachung des kulturellen Lebens vor 1989 in Rumänien, die für das gesamte literarische Leben, die Produktion, die Distribution und die Rezeption von literarischen Texten von konstitutiver Bedeutung war. Die Kenntnis der Entwicklungsgeschichte und der Funktion der Zensur ist eine Vo- raussetzung für das Verständnis der vor 1989 entstandenen Werke von Franz Hodjak. Es soll jedoch bemerkt werden, dass eine tiefgründige Untersuchung dieser Problematik den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Dennoch werden einige der wichtigsten Merkmale angesprochen, um eine Perspektive auf die weiteren Untersuchungen zu eröffnen. 3.1. Die Zensur – eine Begriffsklärung Zensur im weitesten Sinne ist die institutionalisierte, mit Zwangsgewalt ausge- stattete Möglichkeit, bestimmte Gedankenäußerungen in Wort, Bild oder Schrift, die sich an die Allgemeinheit richten, zu unterbinden. Sie ist als staatliche Überwachung und Unterdrückung von Veröffentlichungen im Druck, Bild und Funk zu verstehen.108 Im Sprachgebrauch umfasst der Begriff Zensur zugleich Bewertung als auch Verbot.109 Ulla Otto definiert die literarische Zensur als die „autoritäre Kontrolle aller menschlichen Äußerungen, die innerhalb eines bestehenden gesellschaftli- chen Systems mit der Bemühung um sprachliche Form geschrieben werden.“110 Ihr Ziel besteht in Kontrolle, Überwachung und Verbot von literarischen Produkten, die als in Konflikt befindlich zu den dominierenden politischen, religiösen und/oder moralischen Inte- ressen einer Gesellschaft bzw. einzelner starken Gruppen in ihr, insbesondere der herrschenden Klasse, betrachtet werden.111 108 Vgl. Artikel Zensur. In:...

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