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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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4. Das lyrische Werk von Franz Hodjak

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In den Jahren der kulturpolitischen Lockerung zwischen 1969 und 1972 kam es zu zahlreichen Debüts in der rumäniendeutschen Literatur. Die jungen, emanzi- pierten Autoren standen der unter dem Dogma des sozialistischen Realismus er- starrten rumäniendeutschen Literatur und der geschichtlichen Überlieferung dis- tanziert und skeptisch gegenüber und forderten eine kritische, gesellschaftsbezo- gene Literatur.170 Der Glaube an die Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Reali- tät durch Dichtung wirkte anspornend auf die literarische Produktion dieser Zeit. Diese jungen Autoren versuchten programmatisch, durch unkonventionelle Sprechweise eine sozialkritisch engagierte Literatur zu schaffen, die einem elitä- ren und apolitischen, von der unmittelbaren Realität entfernten Ästhetizismus ge- genüberstehen sollte. Der dialektische Lakonismus Bertolt Brechts wirkte stilbil- dend auf ihre Lyrik, aber auch die Konkrete Poesie, die avantgardistischen Expe- rimente der Wiener Gruppe sowie die Beat-Literatur hatten einen spürbaren Ein- fluss auf sie. Den „Siegeszug Brechts durch die kleine rumäniendeutsche Litera- turszene“171 behandelt Peter Motzan ausführlich in seiner Abhandlung Von der Aneignung zur Abwendung. Der intertextuelle Dialog der rumäniendeutschen Ly- rik mit Bertolt Brecht. Motzan betont den Einfluss Brechts auf diese Schriftsteller: Es brechtete in den siebziger Jahren augenfällig von Temeswar über Klausenburg und Hermannstadt bis Bukarest. An den pointierten Verfremdungen, den parabelhaf- ten Konstruktionen, den gerafften Situationsprotokollen, den wortspielerischen Epi- grammen [...] schreibt Brechts Methode, seine pathosfeindliche Sachlichkeit, sein geschickt dosiertes Besserwissertum mit. Weniger der junge, der anarchistisch- vitalistische Brecht mit seinem individualistischen Glücksverlangen und schon gar nicht der zarte und obszöne Dichter...

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