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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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5. Identitätsaspekte in der Kurzprosa

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5.1. Die Gattungszugehörigkeit der frühen Prosawerke Mit der leichten politischen Entspannung und der Liberalisierung der Kulturpo- litik Rumäniens erlebt die Kurzprosa Ende der Sechzigerjahre einen bedeuten- den Aufschwung im rumäniendeutschen Literaturbetrieb. Viele junge Autoren, die bisher vorrangig Lyrik publiziert haben, wenden sich dieser Gattung zu, denn im Gegensatz zur Lyrik, die in ihrer Knappheit „viel Problematik mit mi- nimalem Sprachaufwand auf engstem Raum konzentriert“,389 könne die Kurz- prosa vielschichtige Fragestellungen, komplexere Zusammenhänge, Entwick- lungen, Prozesse und Abläufe390 schildern. Dieter Roth erklärt dieses Aufblühen der rumäniendeutschen Kurzprosa mit dem Aufkommen einer neuen Generation: Die vorrangige Pflege kurzer Prosa von einem gewissen Zeitpunkt an – sagen wir ruhig 1962 – hat [...] mit dem Aufkommen einer neuen Generation einiges zu tun. Das kurze Genre scheint die gemäße Ausdrucksform zu sein für Menschen, die je nach Temperament zag oder mutig sich zu Worte melden und nicht viel Worte ma- chen wollen. Zweifel am Wort und an der eigenen Kraft des Sagens bestimmt sie da- zu, Abneigung gegen eitles Gerede, der Hang zum blitzenden Wort, das unterwirft, zum Kaleidoskopischen, zum Mosaik. Das Genre setzt ungeheure Selbstdisziplin in jeder Hinsicht voraus, im Denken und im Formen.391 Diese jungen Schriftsteller wollen mit der Erzähltradition des sozialistischen Realismus und den starren Auffassungen der Kunst brechen. Sie experimentie- ren mit neuen literarischen Formen, die in der rumäniendeutschen Literatur bis- her wenig bekannt waren. So ist es zu erklären, dass die in dieser Zeit entstande- nen...

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