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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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8. Identität und Sprache

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Sprache und Identität üben einen wechselseitigen Einfluss aufeinander aus: Die Sprache nimmt bei der Konstruktion von Identität eine zentrale Funktion ein, und gleichzeitig wird auch die Sprache durch die Identität geprägt. Dieser Inter- aktion zwischen Identität und Sprache ist vor allem bei ethnischen und nationa- len Minderheiten eine große Bedeutung beizumessen, denn in diesem Fall bildet die Sprache eine wichtige Grundlage des Selbstverständnisses. Sie kann als so- ziales, kulturelles oder politisches Mittel zur Identitätsstiftung und - vergewisserung verstanden und instrumentalisiert werden.625 Die Werke von Franz Hodjak, der in einer mehrsprachigen Region aufge- wachsen ist und lange dort gelebt hat, sind wegen der verschiedenen Sprachvari- etäten, derer die einzelnen Protagonisten sich bedienen und mit denen der Autor spielt, von großem Interesse. Dieses gleichberechtigte Nebeneinander verschie- dener Sprachvarietäten trägt auch dazu bei, die Vielfältigkeit der Identität(en) mit ihren zahlreichen Facetten und Dimensionen zu betonen. 8.1. Zweisprachigkeit in der rumäniendeutschen Literatur Zwei- und Mehrsprachigkeit sind Phänomene, mit denen sich heute die Mehr- heit der Bevölkerung Siebenbürgens auseinandersetzt: Rumänisch, Ungarisch, Deutsch (aufgrund der Emigration der Siebenbürger Sachsen leider in immer geringerem Maße) und Romani leben in buntem Nebeneinander und prägen die Sprache des Alltags und der Literatur. Michael Markel bemerkt in einem Aufsatz,626 dass die rumäniendeutsche Li- teratur in erster Linie vom sprachlichen Faktor bestimmt sei. Es ist axiomenhaft, dass sich eine Minderheitenliteratur von der raumumgebenden Mehrheitslitera- tur am...

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