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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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10. Anhang

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„Ich bin frei, wenn ich schreibe.“ Gespräch mit Franz Hodjak661 Réka Sánta-Jakabházi: Was bedeutet Heimat für Sie? FRANZ HODJAK: Ein Schlüsselerlebnis für mich war, als ich nach Deutsch- land kam, bei der Frankfurter Buchmesse hatte mich eine Journalistin gefragt, wie man mit zwei Heimaten leben kann und dass es interessant sein müsse, zwei Heimaten zu haben.662 Zum ersten Mal habe ich das Wort „Heimat“ im Plural gehört. Ich habe im Wörterbuch nachgesehen und dort steht: Heimat, die Hei- mat, weiblich, in Klammern: selten Heimaten. Dann habe ich nachgesehen im Wörterbuch bei „Heimatlosigkeit.“ Da stand es: Die, weiblich, keine Mehrzahl. Dann habe ich mich gewundert, wieso es die Heimaten im Plural gibt und die Heimatlosigkeit nur in der Einzahl. Denn in meinem Fall ist es so, dass ich nicht nur nicht zwei Heimaten habe, sondern überhaupt keine. Und wenn man es hat – und scheinbar mit Heimat muss man immer etwas zu tun haben – dann habe ich zwei Heimatlosigkeiten. Ich habe keine zwei Heimaten und wenn es schon et- was mit Heimat sein muss, dann zwei Heimatlosigkeiten. Das hat folgenden Grund: Ich bin nicht, sagen wir, ein „Verwurzelter“; dieses Wort ist an und für sich schon erschrecklich. Ich bin eher ein Wanderzigeuner, ich verharre nicht gern an einem Ort, ich muss ständig die Gegend wechseln. Heimatverbunden- heit, oder Verbundenheit mit einem Ort verschließt die Augen. Es gibt Leute, die nie ihre sogenannte Heimat verlassen haben und fühlen...

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