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Schreiben für den Hof als Weg in den Hof

Der "Pentalogus </I>des Enea Silvio Piccolomini (1443)

Kristina Wengorz

Der Pentalogus ist die erste Schrift, die der Sekretär und poeta laureatus Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) am Hof Friedrichs III. verfasste. Er ist Ausdruck seines humanistischen Selbstverständnisses. In Dialogform schildert Enea Silvio ein fiktives königliches Ratsgespräch über die Themen Hof und Fürst sowie Kirche und Reich. Damit will er am Hof ein erweitertes Bewusstsein für die Bedeutung des Humanismus wecken und sich selbst sozial und politisch neu positionieren: Künftig will (und wird) er hier vor allem als Gesandter, Redner und königlicher Rat wirken. Die Frage nach den Funktionen des Humanismus lenkt bei der Analyse und Interpretation der literarischen Form und der Themen des Pentalogus den Blick auf Enea Silvio und die Leser des Dialoges («den Hof») gleichermaßen.

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I Einleitung

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Im Jahr 1450 schildert der Bischof von Triest, Enea Silvio Piccolomini, in seiner zweiten Geschichte des Basler Konzils rückblickend die Ereignisse während des Frankfurter Reichs- tages 1442 wie folgt: stultus, qui putat libellis et codicibus moveri reges. reverso rege prelati et doctores, qui remanserant, referunt regi et electoribus, que audiverant, suaque consilia exponunt.1 Dumm sei derjenige, der glaube, mit Büchern und Schriften Könige bewegen zu können. Die in Frankfurt zurückgebliebenen Prälaten und Doktoren hätten dem von der Aachener Krönung zurückgekehrten König Friedrich III. und den Kurfürsten das berichtet, was sie in der Zwischenzeit an Stellungnahmen in der Kirchenfrage gehört hätten, und ihren Rat erteilt. Hatte aber nicht der Italiener Enea Silvio Piccolomini selbst im Jahr nach dem Frank- furter Reichstag versucht, Friedrich III. mit dem Pentalogus, den er dem König widmete, zu einer aktiveren Politik in der Kirchenfrage und in Italien zu bewegen? Ist die pessimistische Einschätzung der Erfolgsaussichten derartiger Versuche in Enea Silvios zweiter Geschichte des Basler Konzils ein Reflex seiner eigenen früheren Naivität und seiner vergeblichen Bemühungen in dieser Hinsicht? Tatsächlich erscheint der von Enea Silvio zu Beginn des Jahres 1443 verfasste Pentalogus, der in Form eines Dialogs ein Ratsgespräch bei Friedrich III. darstellt, als ein politisches Programm für den König und wurde in der Forschung oft als ein solches gewertet: Mit ihm habe Enea Silvio vergeblich versucht, die Aufmerksamkeit Friedrichs III. zu erlangen.2 Doch...

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