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Das Jenaer Studium der Rechte im Dritten Reich

Zwischen Tradition und nationalsozialistischer Ideologie

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Stefan Wolf

Die im Dritten Reich durch Justizausbildungs- und Eckhardtsche Studienordnung veränderte Juristenausbildung bewirkte sowohl eine inhaltliche wie strukturelle Neukonzeption des Rechtsstudiums. Das Werk geht der Frage nach, wie sich das – stets von Missklängen begleitete – Reformwerk in der Praxis bewährte und welche Auswirkungen es auf die Juristenausbildung im Dritten Reich zeitigte. Beispielhaft wurden Lehrbücher und Vorlesungen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie die Erste juristische Staatsprüfung am Prüfungsamt I des Thüringischen Oberlandesgerichts ausgewertet. Im Ergebnis gilt, dass trotz äußerer Übernahme der Reformgedanken sich – soweit fachbedingt möglich – auch weiterhin Teile der bisherigen Ausbildungstradition erhalten konnten.

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Das erste Kapitel

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A. Die Juristenausbildung im Dritten Reich Die Juristenausbildung im Dritten Reich hatte ihre rechtlichen Grundlagen in den Regelungen der Justizausbildungsordnung (JAO) vom 22. Juli 1934 aus dem Reichsministerium der Justiz und der Eckhardtschen Studienordnung vom 18. Januar 1935 aus dem Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sowie ihren jeweiligen Anpassungen vom 04. Januar 1939 und vom 10. Juli 1944. Hierbei stellte die JAO die erste reichsweit geltende Ausbildungsordnung dar und sorgte auch auf diesem Gebiet für Rechtseinheit. Zuvor hatte lediglich § 2 GVG1 bestimmt, dass die Befähigung zum Richteramt, als Idealziel der ju- ristischen Ausbildung, durch die Ablegung zweier Prüfungen erreicht werde.2 Dem hatte ein dreijähriges Studium der Rechtswissenschaft an einer Hoch- schule vorauszugehen, an welches sich nach einer ersten Prüfung ein dreijähri- ger Vorbereitungsdienst anschloss, der mit dem zweiten Examen sein Ende fand. Sämtliche weiteren Regelungsgegenstände, insbesondere auch die inhalt- liche Ausgestaltung, verblieben bis zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich im Jahre 1934 im Kompetenzbereich der deutschen Länder.3 I. Am Vorabend der „nationalen Revolution“ Die Juristenausbildung stand im Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Na- tionalsozialisten – wenig überraschend – erheblich in der Kritik.4 Die einzelnen 1 Gerichtsverfassungsgesetz. 2 Vgl. §§ 2 und 3 GVG, RGBl. 1898 I, 371. 3 Die verschiedenen Regelungen in den einzelnen Ländern, deren Ergebnisse sich zwar praktisch annäherten, standen einer einheitlichen und gleichmäßigen juristischen Vor- bildung im Reich entgegen. Vgl. Tilka, Prüfung und Ausbildung der Juristen im Reich, S. 2. Der Freistaat Th...

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