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Franz von Spaun (1753-1826)

Ein österreichischer Jakobiner in Bayern

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Verena Spinnler

Franz von Spaun (1753-1826) war Josephiner, Jakobiner, Liberaler – je nachdem, welchen Abschnitt seines Lebens man betrachtet. Erfolgreich eine klassische Beamtenkarriere begonnen, verlor er seine Stellung in Vorderösterreich aber auf Grund dienstlicher Verfehlungen. Zurück in Wien, radikalisierte er sich in revolutionären Kreisen und wurde 1792 in Arrest genommen. Erst 1801 begnadigte ihn der Kaiser und er konnte nach Bayern ausreisen. Dort lebte er von einer Pension des Königs. Spaun publizierte zahlreiche Schriften, die den wichtigsten Themen seiner Zeit galten. Ziel der Darstellung ist sowohl die Rekonstruktion der Biographie Spauns wie auch die systematische Untersuchung seiner Schriften. So kann eine Bewertung seiner politischen Überzeugungen und ein Beitrag zu den Anfängen der politischen Bewegungen geleistet, aber auch unser Verständnis öffentlicher Meinung im Vormärz vertieft werden.

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3 Ein aufklärerischer Publizist im 19. Jahrhundert

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In seinem letzten, „bayerischen“ Lebensdrittel erlebte Franz von Spaun eine span- nungsreiche und stürmische Umbruchszeit, in der das neue Bayern Maximilian Josephs entstand: Säkularisation, Erhebung zum Königreich, napoleonisch- französische Hegemonie, territoriale Veränderungen und daher rührende notwen- dige innere Konsolidierung, Um- und Neuaufbau der Verwaltung, Behauptung der neu gewonnen Königswürde und eigenen Position auf dem Wiener Kongress und im Deutschen Bund, die Anfänge moderner verfassungspolitischer Entwicklung und zugleich die sich daraus verschärfende Auseinandersetzung zwischen konser- vativer Politik und den Kräften der Bewegung. Das alles war begleitet und mit an- getrieben von geistigen Brüchen, Neuansätzen und Kämpfen – genügend Themen und Anregungen also für einen kritischen Geist und vielleicht auch derer zu viele. Manches und Wichtiges überging Spaun mit Schweigen. Entdeckt hat er seine Be- gabung zur Schriftstellerei spät, und damit mit umso reicheren Erfahrungen. „Ich suchte nie“, schrieb er fast zum Lebensende hin, „Schriftstellers Ruhm, und war meiner Erziehung nach zum Geschäfts-Manne, und nicht zum Litterator bestimmt. Indignatio fecit Versum als ich nach Baiern kam.“711 … mit elenden Skriblern, albernen Projektmachern, angeblichen Aufklärern eine Fehde auf Leben und Tod…712 3.1 Grundlagen Seine Grundüberzeugungen in politischen, philosophischen und gesellschaftlichen Fragen hat Franz von Spaun nur in der 1811 erschienenen Schrift Ueber die mora- lischen Verhältnisse des Menschen positiv und im Zusammenhang formuliert, dies im Gegensatz zur bloß punktuellen Polemik eigentlich aller anderen Schriften. Freilich beziehen sich die späteren Schriften immer...

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