Show Less

Regulierung und zivilrechtliche Verantwortlichkeit von Ratingagenturen

Series:

Moritz Schuler

Gegenstand dieser Arbeit ist die Prüfung der Erforderlichkeit einer hoheitlichen Regulierung des Ratingwesens am Beispiel der Ende 2009 in Kraft getretenen europäischen Rating-Verordnung (2009/1060/EG vom 16.9.2009). Es wird untersucht, ob die europäische Regulierung eine Verbesserung der prognostischen Qualität der Ratingurteile nachhaltig gewährleisten kann. Als mögliche Alternative einer hoheitlichen Regulierung wird die verhaltenssteuernde Wirkung des bürgerlichen Haftungsrechts untersucht. Die grundrechtliche Einordnung des Ratingurteils und die tatbestandlichen Voraussetzungen einer Eigenhaftung der Ratingagenturen auf Grundlage des § 311 Abs. 3 S. 2 BGB bilden Schwerpunkte der materiellrechtlichen Prüfung. Mögliche Erleichterungen bei der Anspruchsdurchsetzung werden untersucht. Abschließend werden Funktionsweise und Effektivität von Reputationsmechanismen im Ratingwesen erörtert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Vierter Teil: Regelungswirkung des Wettbewerbs

Extract

Zuletzt soll noch der Vollständigkeit halber und in der gebotenen Kürze erörtert werden, ob und in welchem Umfang der Wettbewerb der Ratingagenturen unterein- ander eine hohe Qualität ihrer Bewertungen gewährleistet und die Agenturen von einer Ausnutzung ihrer – teils marktbeherrschenden – Stellung zulasten der Anleger abhält. Ein solcher marktlich vermittelter Reputationswettbewerb würde gegebenen- falls eine hoheitliche Regulierung des Ratingwesens entbehrlich machen, da die Ra- tingagenturen von sich aus um möglichst zutreffende Ratings konkurrieren würden. § 11: Effektiver Reputationswettbewerb im Ratingwesen Ob die Funktionsbedingungen eines effektiven Reputationswettbewerbs im Rating- wesen erfüllt sind, wird unterschiedlich beurteilt.1806 Seitens der Ratingagenturen wird darauf verwiesen, dass Investoren und Emittenten auf Dauer nur zuverlässiges und seriöses Geschäftsgebaren akzeptieren würden und dass der Ratingmarkt sich vor diesem Hintergrund selbst reguliere. Die Zahlungsbereitschaft der Ratingnutzer hänge allein von ihrer Einschätzung der jeweiligen Agentur als unparteilich und ver- lässlich ab.1807 Die Gegenansicht wendet hiergegen ein, dass die im Ratingwesen be- stehende „Vergütungs- und Informationsasymmetrie“ einen effektiven Reputations- wettbewerb verhindere (dazu sogleich).1808 A. Ratings als „Vertrauensgüter“ Die Reputation der Ratingagenturen und das ihren Bewertungen entgegengebrachte Vertrauen gelten als wesentliche Voraussetzung für ihren wirtschaftlichen Erfolg.1809 ___________________________ 1806 Bejahend v. Randow, ZBB 1995, 140, 147; Lemke, Ratingwesen, S. 115 ff.; Kübler, in: Hadding/Hopt/Schimansky (Hrsg.), Rating von Unternehmen, S. 115, 122; ablehnend Pe- ters, Ratingagenturen, S. 155 ff.; Blaurock, ZGR 2007, 603, 641 f.; Deipenbrock, WM 2005, 261, 263; Habersack, ZHR 169 (2005), 185, 191....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.