Show Less

Malta und die Boatpeople

Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung

Sarah Weber

Europa ringt an seinen Außengrenzen, aber auch im Innern, um Integration. Immer dringlicher wird die Frage nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens. Die Arbeit nimmt dieses Problem auf der Mittelmeerinsel Malta in den Blick. Dort treffen durch Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Ihre Lebenswelten geraten dadurch in Bewegung: Sie erleben dabei Momente der Irritation und der Unsicherheit. Die Studie geht nicht dem Offensichtlichen nach, sondern analysiert die Komplexität alltäglicher Interaktionen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Damit gibt sie einerseits neue Antworten auf die Frage, was derzeit an den Grenzen Europas geschieht, und andererseits Impulse zum Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft einander begegnen wollen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 INTERKULTURELLE BEGEGNUNG: THEORETISCHE ANSÄTZE

Extract

Unterdrückung zwangsläufig unterbelichten müsse (de Toro 2002: 25 f.). Zu- dem würden Widerstandsbewegungen und -diskurse der Kolonialisierten ver- nachlässigt, da es ja nach Foucault kein Außerhalb von Macht gebe und er ledig- lich an ihrer Funktionsweise interessiert sei (Castro Varela/Dhawan 2005: 42 f.). Nichtsdestotrotz hat sich das Foucaultsche Denkenmeines Erachtens als grund- sätzlich fruchtbar für die Debatte erwiesen, da es den Blick weg von eindeutigen und binär konzipierten Machtasymmetrien auf uneindeutige Machtkonstella- tionen hingelenkt hat. Neben dem Foucaultschen Machtbegriff ist das Werk eines anderen Autors ebenfalls zentral für die oben genannten Fragen der Hegemonialität: Antonio Gramscis Gefängnishefte (1929–1935). Darin gebraucht er den Begriff der Sub- alternen, der die arme, nichtorganisierte Landbevölkerung des italienischen Sü- dens bezeichnet (Castro Varela/Dhawan 2005: 69).9 Diese sind einer hegemo- nialenMachtformation, der herrschendenKlasse, ausgesetzt, die sie unterdrückt und dadurch auchWiderstand der Subalternen auslöst. MiriamNandi (2009: 86) sieht die Fruchtbarkeit dieses Konzepts für die postkolonialen Theoretiker ge- rade in Gramscis differenziertem Hegemoniebegriff, der nicht nur auf ökono- mische Benachteiligung fokussiert: „Das subalterne Subjekt ist nicht unbedingt ein durch die Logik des Kapitals ausgebeutetes, sondern ein im weiteren Sinne auch ein durch kulturelle Hegemonie einer herrschenden Klasse marginali- siertes Subjekt. Mit Hegemonie ist nicht pure Repression gemeint, sondern die Fähigkeit, die Interessen subalterner Subjekte so zu ko- ordinieren, daß Zustimmung geschaffen wird.“ (Hervorh. i.Orig.) Spivak verwendete den Begriff der Subalternen später für die Unterprivilegier- ten,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.