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Malta und die Boatpeople

Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung

Sarah Weber

Europa ringt an seinen Außengrenzen, aber auch im Innern, um Integration. Immer dringlicher wird die Frage nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens. Die Arbeit nimmt dieses Problem auf der Mittelmeerinsel Malta in den Blick. Dort treffen durch Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Ihre Lebenswelten geraten dadurch in Bewegung: Sie erleben dabei Momente der Irritation und der Unsicherheit. Die Studie geht nicht dem Offensichtlichen nach, sondern analysiert die Komplexität alltäglicher Interaktionen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Damit gibt sie einerseits neue Antworten auf die Frage, was derzeit an den Grenzen Europas geschieht, und andererseits Impulse zum Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft einander begegnen wollen.

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5 MALTA: ERINNERTER RAUM, GELEBTERORT, UMKÄMPFTE IDEE

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5MALTA: ERINNERTER RAUM, GELEBTERORT, UMKÄMPFTE IDEE Als Brückenkopf zwischen Nordafrika und Europa wurde der maltesische Ar- chipel – bestehend aus den drei besiedelten Inseln Malta, Gozo und Comino und den unbesiedelten Inseln Cominotto, Filfla, Fungus Rock und den St. Paul’s Islands – im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von externen Mächten ein- genommen und als geostrategischer Standort genutzt. Die verschiedenen kultu- rellen Begegnungen hinterließen ihre Spuren auf den Inseln, kreierten multiple Loyalitätsbindungen, beispielsweise zu Libyen und Großbritannien, und erfor- derten stetigeNeuformulierungen der kollektiven und nationalen Identität (vgl. Cini 2001: 270 ff.). Auch der EU-Beitritt 2004 und der politische Prozess davor hatten Auswirkungen auf das maltesische Selbstverständnis, wie ich in diesem Kapitel zeigen werde. Heute leben etwa 417 000Menschen auf dem ca. 316 km2 kleinenArchipel im Mittelmeer, davon besitzen circa 95% diemaltesische Staatsbürgerschaft (Natio- nal Statistics Office Malta 2011a: vi). Malta hat damit eine der höchsten Bevöl- kerungsdichten Europas. Wirtschaftlich profitiert Malta vor allem vom Touris- mus; der Archipel hat jährlich etwa eine Million Besucher. Seit 2002 ist irregu- läre Immigration das den maltesischen Alltag beherrschende Thema. Afrikani- sche Migranten, die seit Jahren regelmäßig mit Booten von der nordafrikani- schen Küste zum europäischen Festland übersetzen, geraten immer wieder in maltesische Hoheitsgewässer und fallen damit in den maltesischen Zuständig- keitsbereich, obwohl viele der Bootsmigranten eigentlich Italien zum Ziel ha- ben. Seit der Etablierung des europäischenDublin-Systems wurde vor allem den Ländern an...

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