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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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1 Einleitung

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Mit L’ère du soupçon veröffentlichte Nathalie Sarraute 1950 einen literaturtheo- retischen Text, der neben der 1963 herausgegebenen Aufsatzsammlung Pour un nouveau roman von Alain Robbe-Grillet einen der Referenztexte des nouveau roman bildet. Beide Autoren betonen die Notwendigkeit einer Abkehr von den Kategorien des realistischen Romans des 19. Jahrhunderts, um die Entwicklung einer neuen, adäquaten Form der Wirklichkeitsdarstellung zu ermöglichen. Dem Autor soll die Freiheit gegeben werden, jenseits konventioneller Zwänge litera- rische Formen zu entwickeln, die es ihm erlauben, neue, bisher unerkannte Di- mensionen der Realität in seinen Romanen zum Ausdruck zu bringen bzw. zu explorieren: Aussi je préfère dire, quant à moi, que ce qui m’intéresse c’est d’abord la littérature; la forme du roman me semble beaucoup plus importante que les anecdotes – même antifascistes – qui peuvent s’y trouver; j’ignore, à l’instant de la création, ce que ces formes, dont je sens la nécessité, signifient, et à plus forte raison ce à quoi elles pourront servir. […] Le roman […] ce n’est même pas un moyen d’expression – c’est-à-dire qui connaitrait d’avance les vérités (ou les interrogations) qu’il aurait à exprimer. Le roman, pour nous, ne peut être qu’une recherche, et une recherche qui ne sait même pas ce qu’elle cherche.1 Im Zuge der Überwindung der herkömmlichen Romankategorien wird das Sub- jekt aus dem Zentrum des Romans verbannt. Seiner psychologischen Charakte- risierung, Biographie, äußeren Erscheinung und sozialen Einordnung beraubt, erscheint das, in einigen Texten namenlose, Subjekt bar einer...

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