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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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8 Nathalie Sarraute: Enfance

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8.1 Nathalie Sarraute: Enfance- eine ambivalente Autobiographie 1983 überrascht Nathalie Sarraute ihre Leser mit dem autobiographischen Text Enfance. Bereits ihr narratives Frühwerk Tropismes (beendet 1937, Erstveröf- fentlichung bei Denoël, 1939, dann um 5 Texte erweitert 1957 bei Ed. Minuit) hat die Autorin für ihren nüchternen, abstrakten Stil, der sowohl die Handlung als auch die Entwicklung der Charaktere auf ein Minimum reduziert, bekannt gemacht. Eine Erzählhaltung, der sie bis Enfance treu geblieben ist. Enfance versucht, wie alle Texte Sarrautes, den von ihr als Tropismen be- zeichneten, vielschichtigen psychischen Regungen in unserem Inneren auf die Spur zu kommen. In dieser Hinsicht setzt Sarraute konsequent die literarische Exploration von conversation und parallel dazu ablaufender sous-conversation, welche die Tropismen reflektieren, fort. Die Besonderheit von Sarrautes literarischem Stil besteht darin, die Tropis- men in ihrer Wiedergabe in Zeitlupe einzufangen und den Leser simultan mit- empfinden zu lassen. Die psychologische Erforschung findet in den Texten Sar- rautes allerdings immer in der Sphäre der Anonymität statt, da sie davon absieht, die von ihr entworfenen Charaktere in ihrer Entwicklung zu beschreiben. Letzte- re tauchen als flüchtige, unter Umständen namenlose, anonyme Personen auf, deren Innenleben in einer Momentaufnahme im Zeitlupentempo gezeigt wird. Auf den ersten Blick scheint die Autobiographie die Kontinuität des Œuvres zu durchbrechen, zumal da sich auch die Autorin selbst, wie auf den ersten Sei- ten des Textes deutlich wird, scheinbar nur zögerlich auf diese Gattung einlässt. Auch in der auf die Publikation von...

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