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Literarische Konstruktionen autobiographischer Subjektivität in der «nouvelle autobiographie»

Samuel Beckett – Nathalie Sarraute – Claude Simon

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Christiane Sauer

Ausgehend von den Essais Montaignes und den Confessions Rousseaus, untersucht die Arbeit Prämissen neueren autobiographischen Schreibens in Frankreich unter Referenz auf zeitgenössische französische Theoriebildungen. Die aus dem nouveau roman hervorgehende nouvelle autobiographie setzt sich aus dokumentarischen bzw. biographischen, (meta-)fiktionalen und (meta-)reflexiven Textfragmenten zusammen, in deren Montage sich die Brüchigkeit und Fragwürdigkeit von Identität spiegelt. Der Hauptteil geht der Frage nach, wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute und Claude Simon in Abkehr von der anti-subjektivistischen Poetik des nouveau roman in ihren zur nouvelle autobiographie zählenden Texten Compagnie, Enfance und Le Jardin des Plantes neue Formen autobiographischer Subjektivität konstituieren. Diese ergibt sich aus dem Zusammenspiel von (Meta-)Reflexion des Schreibprozesses, Werkaufarbeitung und Sprachkonzeption der Autoren und wird im Text in einem performativen Akt ästhetisch realisiert. Die im Text generierte autobiographische Subjektivität verweist nicht mehr auf den Autor als empirische Person, sondern auf eine ästhetische Konzeption, durch die sich ein Künstlersubjekt definiert.

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9 Claude Simon: Le Jardin des Plantes

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9.1 Le Jardin des Plantes: ein autobiographisches Kaleidoskop 1997 legt Claude Simon mit Le Jardin des Plantes erneut einen Roman vor, in dem er, wie zuvor bereits in Les Géorgiques (1981) und L’Acacia (1989)417, sein Gesamtwerk aufarbeitet. Die Reflexion über den Tod, die Absurdität der Ge- schichte und den Ich-Verlust angesichts der existenzbedrohenden Situation, die sich wie ein roter Faden durch das Werk Claude Simons zieht, bleibt auch in diesem erneut auf Erinnerungen basierenden Roman zentral. Ausgangspunkt der Überlegungen sind unter Anderem wieder der Flandernfeldzug, die Kriegsge- fangenschaft sowie der spanische Bürgerkrieg. Allerdings verlagert Claude Si- mon in Le Jardin des Plantes seinen Fokus auf die Auswirkungen dieser exis- tentiellen Erlebnisse, die ihn erst zum Schreiben veranlasst haben, ihn gewis- sermaßen zum Schriftsteller und Künstler haben werden lassen. Den bereits in früheren Romanen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung verarbeiteten Fragmenten seiner Biographie fügt Claude Simon mit Le Jardin des Plantes also eine weitere Variante hinzu, welche weder die Biographie des Autors noch seine Persönlichkeitsentwicklung im Kindes- und Jugendalter do- kumentiert, sondern ganz auf die wenigen existentiellen Momente der Todeser- fahrung konzentriert ist, die die Hinwendung zur Literatur und die literarische Auseinandersetzung mit dem Erlebten auslöste und die damit quasi am Ursprung aller seiner Romane steht. Mit Le Jardin des Plantes vollzieht Claude Simon aber auch die formale Überarbeitung seines stark autobiographisch geprägten Œuvres. In diesem Ro- man finden sich mehrere Erzähltechniken, die schon sein früheres Schreiben auszeichnen. So setzt...

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