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Broch und Witkacy – eine literarische Begegnung

Agnieszka Hudzik

Thema dieser Arbeit ist das Schaffen von Hermann Broch (1886–1951) und Stanisław Ignacy Witkiewicz alias Witkacy (1885–1939) – der moderne Roman an der Grenze zwischen Literaturwissenschaft und Philosophie. Das Ziel der Studie besteht darin, durch close reading die formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten zwischen den Romanen beider Autoren aufzuweisen, die bisher noch nicht zusammen untersucht wurden. Sie lebten im multikulturellen «Schmelztiegel» Mitteleuropas, schufen im Rahmen derselben gesellschaftlichen und künstlerischen Imaginarien der Zeitenwende, waren von ähnlichen intellektuellen Moden und Stimmungen beeinflusst. Die Mikroanalysen betreffen drei Themen: Kunst, Nationalidentität, Experimente mit der Form.

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Auftakt oder Was wäre, wenn ...

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Das hätte im Spätjahr 1926 oder im Frühjahr 1927 passieren können. Stanisław Ignacy Witkiewicz entschloss sich anlässlich seines kommenden zweiundvier- zigsten Geburtstages spontan, für ein paar Tage nach Wien zu fahren. Gerade hatte er die Arbeit an seinem Roman Pożegnanie jesieni (Abschied vom Herbst) abgeschlossen, der hoffentlich bald herausgegeben werden sollte. Sein erster Roman im Druck! Nur nicht auf den Lorbeeren ausruhen, mit diesen Worten versuchte er jeden Tag, sich zum weiteren Schreiben zu motivieren. Der Ent- wurf des nächsten Romans sollte doch schon wenigstens da sein ... Er steckte wieder in einer tiefen Schaffenskrise. Seit ein paar Wochen hatte er keinen ein- zigen guten Satz geschrieben, mit dem er wirklich zufrieden gewesen wäre. Vielleicht verlor er sein Talent für immer? Dieser Gedanke ließ ihn nicht in Ru- he – er fühlte sich als Schriftsteller ausgebrannt. Mit dem Verfassen eines Thea- terstückes wäre es vermutlich einfacher, nicht so mühselig und arbeitsaufwen- dig, aber vor einiger Zeit gab er das Drama definitiv auf, denn er war von den neuen Möglichkeiten der Form des Romans beeindruckt. Oder verlangte er zu viel von sich selbst? Der permanente innere Zwang zur künstlerischen Expressi- on begleitete ihn schon seit der frühesten Kindheit. Die Grenze zwischen „schreiben mögen“ und „schreiben mögen müssen“ verwischte sich allmählich. Daran war vor allem sein Vater schuld, Stanisław Witkiewicz der Ältere, der eben auch bekannter Künstler, Kunsttheoretiker und Maler...

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