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«Ich will keinem Mann nachtreten»

Sophie von La Roche und Bettine von Arnim

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Edited By Miriam Seidler and Mara Stuhlfauth

Im kollektiven Gedächtnis sind Sophie von La Roche und Bettine von Arnim mit einigen wenigen Schlagworten vertreten: Sophie von La Roche ist die Freundin Christoph Martin Wielands, die Großmutter der Brentanos und die erste deutsche Frauenschriftstellerin. Ihre Enkelin Bettine von Arnim gilt als Vorzeigeromantikerin und Goethe-Verehrerin. Diese Zuordnungen sind wichtig, vereindeutigen aber das heterogene Werk beider Autorinnen. Die Beiträge dieses Bandes zeigen neue Facetten in Sophie von La Roches und Bettine von Arnims Schaffen auf.

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MÄNNLICHES UND WEIBLICHES SCHREIBEN IM KONTRAST

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ERDMUT JOST „Seelenkräfte in der Materie“. Sophie von La Roches Rezeption Georg Forsters in den Briefen über Mannheim Ende Juni 1789 schickt Georg Forster Sophie von La Roche den ersten Band seiner Übersetzung der Lettres sur L’Italie des französischen Publizisten und Rechtsgelehrten Charles Dupaty.1 In ihrem Dankesbrief einige Tage später findet die Kollegin enthusiastische Worte für den Übersetzer wie für den Autor dieser Reisebeschreibung: [I]ch kenne niemand der mit dem natürlich edlen unßerer Sprache so vertraut wäre wie Ihre Feder: […] aber wer die natur und die menschen, mit der Seele kennen lernte die Sie haben der mußte am ende so schreiben – und mußte mit dem edlen Dupatty simpathisieren.2 Forster fühlt sich geschmeichelt, gleichzeitig aber auch missverstanden. Denn mit der Betonung seines natürlichen Adels unterstellt La Roche ihm – und damit Dupaty – den gleichen wahrnehmungsästhetischen Ansatz, den sie selbst in ihrer Reiseliteratur verfolgt, und der vereinfacht lautet: Nur, wer gut ist, sieht das Gute, nur, wer das Gute sieht, sieht richtig. Und weil das Wahre, Gute und Schöne in La Roches Tugendästhetik identisch sind, „[a]echtes Kunstgefühl […] von jedem gutem Gefühl unzertrennlich“ ist,3 kann nur der Kunst hervorbringen, der moralisch über jeden Zweifel erhaben ist. Darum geht es Forster jedoch nicht. Für ihn ist mangelnde menschliche Perfektion kein Hinderungsgrund für künstlerisches Schaffen. Darauf versucht er La Roche in seinem Antwortbrief aufmerksam zu machen: Ich bin sehr dafür, daß man...

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