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Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus

Formen, Funktionen und Wirkungsmacht von Geschlechterkonstruktionen im Nationalsozialismus und ihre Reflexion in der pädagogischen Praxis

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Edited By Anette Dietrich and Ljiljana Heise

Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus wurden von der Geschichtswissenschaft bisher kaum beachtet. Dieser Band zeigt das Erkenntnispotenzial der Analysekategorie Geschlecht auf, indem er die Wirkungen von Männlichkeitskonstruktionen auf politischer und struktureller Ebene sowie als Handlungs- und Deutungsmuster herausarbeitet. In den Beiträgen werden methodisch und theoretisch innovativ Männlichkeitskonstruktionen in verschiedenen NS-Täterorganisationen untersucht. Zudem fragen sie im Kontext der NS-Verfolgung danach, welche (rassifizierten) Fremdzuschreibungen, aber auch Selbstermächtigungsstrategien mit Männlichkeitskonstruktionen verbunden waren. Repräsentationen und Deutungen von Männlichkeiten und ihre Auswirkungen nach 1945 werden darüber hinaus ebenso in den Blick genommen wie Entwürfe einer geschlechterreflektierten und heteronormativitätskritischen pädagogischen Praxis.

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Perspektiven einer kritischen Männlichkeitenforschung zum Nationalsozialismus. Eine theoretische und pädagogische Annäherung (Anette Dietrich und Ljiljana Heise)

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Perspektiven einer kritischen Männlichkeitenforschung zum Nationalsozialismus. Eine theoretische und pädagogische Annäherung Anette Dietrich und Ljiljana Heise Männlichkeitenforschung als Teil der Geschlechterforschung Auf dem Umschlag des vorliegenden Bandes ist das Titelbild der NS-Frauen-Warte vom Mai 1940 zu sehen.1 Mittig im Vordergrund steht ein Soldat, der das Bild do- miniert. Auf einer horizontalen Achse wird er von zwei ebenfalls idealisiert darge- stellten Männern – einem Arbeiter und einem Bauern – flankiert. Im Hintergrund über dem Soldaten findet sich das gerahmte Bild einer Frau mit Kind, das in seiner Ausgestaltung an eine religiöse Madonnen-Symbolik anknüpft. In ihrer bildlichen Anordnung ergeben die drei Männer und die Frau, welche die im Nationalsozialis- mus propagierten stereotypen Geschlechterbilder verkörpern, ein Kreuz. Die Bild- unterschrift „Wir tragen und bauen das Reich. Arbeiter • Bauern • Soldaten“ – die abgebildete Reproduktionsaufgabe der Frauen wird trotz des weiblichen Zielpubli- kums nicht erwähnt – markiert zusammen mit den schweren Stiefeln des Soldaten den Fuß dieses Kreuzes. Eine Symbolik, die zum einen traditionell genutzt wird, um fundamentale Erkenntnisse und Annahmen zu repräsentieren, und zum ande- ren besonders mit christlich-religiöser Bedeutung aufgeladen ist. Im Mittelpunkt des Bildes ist die soldatische Männlichkeit angeordnet, sie steht damit im Vorder- grund der im Krieg befindlichen NS-‚Volksgemeinschaft‘,2 die auch nach innen hie- rarchisch aufgebaut ist – und zwar sowohl im hetero- als auch im homosozialen Bereich – und deutlich Erwartungen an seine Mitglieder propagiert, die durch die Bildsymbolik eine quasi-religiöse Aufladung erhalten. Schon der kurze Blick auf die verschiedenen...

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