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Islam im europäischen Kontext

Selbstwahrnehmungen und Außensichten

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Edited By Bülent Ucar

Dieser neunte Band der ROI – Reihe für Osnabrücker Islamstudien – stellt die Dokumentation der Ringvorlesungen im Rahmen des Studienganges Islamische Religionspädagogik der Universität Osnabrück dar. Der Sammelband ist eine weitere Vertiefung der in den vorangegangen ROI-Bänden aufgeworfenen Fragestellungen zu Islam und Integration in Europa. Im Mittelpunkt der Beiträge steht, wie gelebte Vielfalt in Einheit in Zeiten von Säkularisierung und Individualisierung auch für die muslimische Umma in Deutschland und Europa realisiert werden kann. Wie kann sich also eine heterogene Gesellschaft im Sinne von Anerkennung, Partizipation, Gleichberechtigung und Normalität entwickeln? In den versammelten Beiträgen werden zahlreiche Blickwinkel auf islam- und integrationspolitische, islamtheologische, interreligiöse und religionswissenschaftliche Fragen präsentiert.

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VI. Islam in Europa

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Al-Andalus: Wurzeln einer europäisch-islamischen Kultur Von Bacem Dziri Geschichtsschreibung ist wohl eher eine literarische Gattung als bloß eine Anei- nanderreihung, Auswertung und Sinngebung empirischer Befunde. Dies mag umso mehr auf die Rezeption von neun Jahrhunderten muslimischen Lebens auf der Iberischen Halbinsel zutreffen. Insofern sieht sich der spanische Schriftsteller, Antonio Muñoz Molina, be- zogen auf die andalusische Geschichte berechtigt zu fragen: Ist die Geschichte nicht auch eine Untergattung des Romans, eine aus Ruinen und Büchern hervorgegangene Erfindung von Schattengebilden, ein Wirrwarr von Schriftstücken und Stimmen aus der Vergangenheit, von zweifelhaften Anzeichen, von Lügen, die nach Jahrhunderten zur Wahrheit wurden, und von Wahrheiten, die so unzugänglich sind wie Statuen, die viele Meter unter der Erde versteckt sind? (...) Auch der Historiker erfindet, ohne daß er sich dessen bewußt ist, wobei er wie der Romanautor Materialien und verstreute Bruchstücke der Wirklichkeit benutzt und aus ihnen ein Buch zusammenstellt, so wie die muslimischen Architekten die Mezquita erbauten und dabei ohne Hemmungen die Säulen römischer Paläste und Tempel nutzten oder wie kurze Zeit später die Plünderer von Madinat al-Zahra Säu- len mitnahmen, die dann andere Bögen in den Innenhöfen der Stadt trugen.1 Erschwerend kommt hinzu, dass die frühesten uns bekannten Quellen zur Ge- schichte des Islams in Andalusien rund zweihundert Jahre nach dem ersten Übertritt auf die Iberische Halbinsel verzeichnet wurden. Zu den frühesten Quel- len gehört ein Werk des seinerzeit in Ägypten lebenden Gelehrten Ibn Abd...

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