Show Less

Die steuerliche Behandlung von Scheinauslandsgesellschaften

Eine Untersuchung zur doppelansässigen Kapitalgesellschaft

Series:

Ruth Winter

Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs hat die Mobilität von Gesellschaften in Europa gefördert. Immer häufiger nutzen Unternehmen die Möglichkeit zur Gründung einer Gesellschaft nach ausländischem Recht. Die Autorin untersucht die steuerliche Behandlung dieser sogenannten Scheinauslandsgesellschaften, die im Steuerrecht als doppelansässige Kapitalgesellschaften bezeichnet werden. Dazu gehört die Frage nach der Qualifikation im Rahmen des Katalogs des § 1 Abs. 1 KStG. Behandelt werden zudem Probleme im Zusammenhang mit der Wegzugsbesteuerung. Die Arbeit widmet sich ferner Fragen der Rechnungslegung bzw. Buchführungspflicht sowie der Regelung zur steuerlichen Organschaft in den §§ 14 ff. KStG und schließt mit Ausführungen zur Behandlung von Drittstaatengesellschaften.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Erstes Kapitel: Einleitung/Gang der Untersuchung

Extract

In den letzten Jahren haben die Gesellschaftsformen in Deutschland Zuwachs erhalten. Gerade im Zuge der durch die Rechtsprechung des Europäischen Ge- richtshofs eröffneten neuen Möglichkeiten prägen nicht mehr nur die bekannten inländischen juristischen Personen des Privatrechts das Bild, vielmehr machen Unternehmen immer häufiger davon Gebrauch, sich in ein ausländisches Rechts- gewand zu kleiden. Dabei erfreut sich vor allem die englische „Private Company Limited by Shares“ (kurz: „Limited“, Ltd.) großer Beliebtheit: Auch wenn ihre tatsächliche Anzahl kaum verlässlich ermittelt werden kann, ist davon auszuge- hen, dass derzeit mehrere Zehntausend dieser Gesellschaften englischen Rechts in Deutschland aktiv sind.1 Andererseits ist es mittlerweile auch deutschen Ka- pitalgesellschaften möglich, einen ausländischen Verwaltungssitz zu wählen. Ob die Entscheidung für die Gesellschaftsform beispielsweise einer Limited tatsächlich immer ein Glücksgriff ist (sie der deutschen GmbH möglicherweise sogar den Rang ablaufen kann) und es letztlich zu einem „Delaware-Effekt“ bzw. einem „race to the bottom“ durch die Wahl des laxesten Gesellschaftsrechts im Rahmen eines Wettbewerbs der Gesellschaftsrechte2 kommt – wie dies nicht sel- ten vorhergesagt oder zumindest angedacht wird3 – , muss sich zeigen, kann al- lerdings zumindest bezweifelt werden. Denn neben den zunächst auf der Hand liegenden Vorteilen, dass die Gründung einer Limited kostengünstig ist, quasi kein Stammkapital erfordert, die Handelsregistereintragung schnell erfolgt, ein flexibles Kapitalerhaltungsrecht gilt und das deutsche Mitbestimmungsrecht umgangen werden kann4, sind doch auch die vielleicht erst auf den zweiten Blick sichtbaren Nachteile einer solchen ausländischen Gesellschaftsform...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.